Themen > Psychologie

Warum wir so gerne schlafen

Oder: Warum viele Menschen es nicht schaffen sich eine eigene Meinung zu bilden

Maren Zaidan, 3. Juli 2020 18:31 Uhr

Unsere alltäglichen Mediengewohnheiten

Wer von uns fühlt sich gern traurig oder wütend? Wir alle streben nach Glück. Manchmal so sehr, dass wir die schlechten Dinge im Leben wegschieben. Die Glücksmomente egal wie klein sie sind, sollten stattdessen nie vorbeigehen. Die Realität sieht anders aus.

Unser Bestreben nach Glück beeinflusst leider nicht nur, dass wir die Steuererklärung oder das unangenehme Telefonat vor uns herschieben. Auch unsere Medienauswahl und die Wahl der Menschen mit denen wir uns über aktuelle Ereignisse austauschen, werden von dem Wunsch nach guter Laune beeinflusst. Das ist zumindest der Fall, wenn es gerade nicht so gut läuft. Wenn es uns schlecht geht oder zumindest unsere Stimmung nicht die beste ist, wählen wir Quellen, die uns die Welt nicht noch unangenehmer machen. In der heutigen Krise, in der viele Geldsorgen, Existenzängste, Angst um die Gesundheit und vieles mehr haben, ist es sicher auch angenehmer die neuste Serie am Stück zu konsumieren oder wenigstens nur die Nachrichten, die nicht ganz so kritisch sind, nicht zu viel Denkkraft erfordern. Zumindest versuchen wir uns nicht schlechter zu fühlen. Doch was ist mit den Menschen, die sich Filme wie Titanic anschauen? Filme, die kein Happy End haben. Filme, die uns zum weinen bringen. Zur Überraschung vieler, helfen auch diese uns in Zeiten wie den heutigen klar zu kommen. Sie haben eine reinigende Kraft für unsere Gesundheit. Am Ende des Films werden die Taschentücher rausgeholt und all die negativen Emotionen, werden aus uns raus geschwemmt. Manchmal fühlt sich das im Film gezeigte, schlimmer an als das selbe Erlebnis in der realen Welt. Tränen beruhigen und Emotionen ausleben gibt wieder Kraft. Die eigene Welt scheint doch nicht so schlimm zu sein. Man könnte sagen, all das ist gut für uns, aber in einer Zeit in der wir uns vor noch schlimmeren Zeiten schützen sollten, ist es angebracht manchmal tiefer in den Hasenbau zu kriechen.

Leider ist unsere Stimmung nicht der einzige Faktor, der uns zu den falschen Medien greifen lässt. Viele von uns, die es sich gewagt haben, mal etwas Neues zu probieren, werden es bereits gemerkt haben. Unser Umfeld beeinflusst die Auswahl der Medien, die wir konsumieren. Wir nutzen die Medien, die auch von unserem Umfeld genutzt werden. Als Kinder und Jugendliche lernen wir von den Eltern, Lehrern und Freunden, welchen Medien wir vertrauen können. Spätestens ab der Jugend werden wir auch gern mal schräg angeschaut, wenn wir etwas nicht kennen, was einfach alle schauen, aber auch wenn wir etwas konsumieren, was niemand kennt oder mag. Wir streben alle mehr oder weniger nach einem guten Sozialstatus. Wir möchten unser Umfeld behalten und ihm vertrauen. Oft ist die Einsicht, dass man selbst falsch liegt, einfacher. Und wenn man das vermeintlich falsche weiterverfolgt, bekommt man das Gefühl nicht mehr darüber reden zu können.

Natürlich spielt auch die so oft erwähnte Medienkompetenz eine Rolle. Diese ist je nach Alter, Bildungsniveau, Beruf und Interessen unterschiedlich. Wir müssen uns fragen, inwieweit wir uns unser Gegenüber

  1. in der Lage sind die Inhalte zu verstehen,
  2. darauf zu reagieren
  3. mit den Inhalten, speziell den interaktiven umzugehen
  4. selbst Inhalte zu schaffen
  5. das Mediensystem zu verstehen
  6. das in den Medien vermittelte richtig in unsere Leben zu integrieren oder nicht zu integrieren

Wobei wir schon beim nächsten Problem sind. Im Moment strömt eine Vielzahl beängstigender Medieninhalte auf uns ein. Selbst die zur Zeit ausgestrahlten und gestreamten Filme und Serienmachen oft Angst. Da wir alle nur Menschen sind, neigen wir dazu die medialen Inhalte in unsere Realität aufzunehmen. Die Angst steigt. Wir verschließen uns noch mehr. Wie stark sich dies bei dem Einzelnen zeigt, hängt jedoch von der Art ab, wie der Einzelne Medien konsumiert. Der Spielraum ist dabei groß, vom realistischen Beobachter, der über die Kameraführung nachdenkt, bis zum emotionalen Menschen, der das Leben der Akteure im eigenen Inneren miterlebt.

Auch die nicht Nachrichten- und Bildungsmedien haben einen Einfluss auf unsere Meinungsbildung. Serien und Filme werden dazu genutzt unser Bild von der Welt zu prägen. Wir bekommen etwas vorgelebt. Mit der Zeit wird die vorgelebte, vorgespielte Welt auch ein Stück Realität. Die fiktiven Figuren werden unsere Freunde. Wir lassen uns davon beeinflussen, wie unsere „Freunde“ mit Fragen der Familie, Gesundheit, Politik und Gesellschaft umgehen. Wir nehmen sie als Vorbilder. Wir vergleichen uns mit ihnen. Auch hier ist also Vorsicht und Reflektieren angesagt. Es spielt eine Rolle wie viel Zeit wir mit welchen Medien und anderen Teilen unseres Lebens verbringen. Wer es gewöhnt ist täglich Abends nach der Arbeit die Nachrichten in den Massenmedien, einen Film und eine Folge der Lieblingsserie zu schauen, wird oft keine Zeit finden, Alternative Medien zu konsumieren. Wer mit dem Internet nicht klar kommt, wird gewisse kritische Inhalte nicht finden. Das Meinungsbild wird eingeschränkt.

Fehler kann man beheben. Zumindest auf dem Papier. Falschmeldungen bleiben leider oft in unseren Köpfen. Wir speichern die erste Nachrichtenmeldung zu einem neuen Thema in uns ab. Am nächsten Tag kommt eine Korrektur. Die erste Nachricht war eine Falschmeldung. Nun spielt es eine Rolle, welche Nachricht besser in unser Weltbild passt. Wenn die Falschmeldung besser zu dem Rest unserer Informationen passt, werden wir auch Jahre später noch die Falschmeldung erinnern. Ein zusätzlicher Aspekt ist, dass wir Inhalte vermeiden, die nicht unserem Weltbild entsprechen. Je öfter wir eine Meinung hören oder sogar wiedergeben, umso mehr glauben wir an sie. Wir schotten uns ab.

Ähnlich zu dem letzten Faktor gibt es noch den Faktor, dass die Medien uns zeigen was wichtig ist. Worüber wir nachdenken sollten. Der Redakteur entscheidet was publiziert wird. Dieses Phänomen bemerkt man zu manchen Zeiten stärker als zu anderen. Da der durchschnittliche Medienkonsument keine Zeit hat, selbst zu recherchieren, passiert es oft, dass Themen keine Beachtung finden. Wenn ein Thema nicht einmal erwähnt wird, kann es nicht reflektiert werden. Fast niemand wird anfangen Fakten zusammenzutragen und Meinungen zu bilden.

Zuletzt bauen wir eine Beziehung zu den Personen in den Medien auf. Am besten kann das an Fans verdeutlicht werden. Wie viele Menschen haben ihr großes Idol nie kennengelernt und glauben trotzdem sie oder ihn ganz genau zu kennen? Wir freuen uns als Erwachsene über prominente Gesichter, die schon in den Medien auftauchten, als wir noch ganz klein waren. Wie mit allen Beziehungen ist es schwer loszulassen. Und so bleiben wir den Massenmedien treu. Den oft beherbergen sie die Helden unserer Kindheit und Jugend oder den Promi, dessen erste Sendung wir sehr gut fanden. Menschen sind treu und manchmal fällt es schwer Abschied zu nehmen, auch wenn die heutige Beziehung nicht gut tut.

Was können wir tun, um gegen all diese Effekte und Phänomene anzukämpfen? Es hilft meist schon ein wenig sich über das das bewusst zu sein. Sich selbst zu fragen, warum wir gerade so handeln wie wir es tun. Wenn wir das erreicht haben, können wir anfangen unser Umfeld aufzuklären.


Maren Zaidan
Bundesvorsitzende der Partei DIE FĂ–DERALEN
Essen, den 03.07.2020