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Deadlock im postfaktischen Zeitalter

Deadlock (englisch, = Völliger Stillstand)

Maren Zaidan, 27. Januar 2021 13:00 Uhr

Gespräche vor Ort über Gespräche mit anderen Personen über das Internet.

Definition Deadlock: “steht für eine Situation, in der sich beide Alternativen eines Dilemmas gegenseitig blockieren oder in der die Handlungspartner nicht zu Kompromissen zur Lösung einer solchen Situation bereit sind, wodurch die Situation ausweglos wird.

Ein Deadlock in der Informatik bezeichnet eine ausweglose Situation, die auch Verklemmung genannt wird, bei dem sich mehrere Prozesse gegenseitig blockieren, weil sie auf die Freigabe von Betriebsmitteln warten, die ein anderer beteiligter Prozess bereits exklusiv belegt hat. Deadlocks bei der Eisenbahn sind Situationen, in denen sich Züge gegenseitig blockieren und kein normaler Betrieb mehr möglich ist.” (Wikipedia)

Postfaktisches Zeitalter: Muss dank der zahlreichen Schlagzeilen und Berichte auf jedem Niveau nicht mehr erklärt werden.

Wir haben es geschafft auf unserer Welt ohne viele neue Foschungsdurchbrüche Parallelwelten zu erschaffen. Man sagt, jeder Mensch hat seine eigene Realität, aber inzwischen kommt es selbst bei den Fakten für diese Realität darauf an, zu welcher Gruppe von Menschen der Einzelne gehört.

In den letzten Jahrzehnten haben sich in der westlichen Welt so viele Bewegungen gebildet, dass man mit einem kurzen Nachdenken nicht mehr alle zusammenbekommt. All diese großen Menschengruppen wollen eine Verbesserung in ihren Staaten, in ihrer Gesellschaft. Auch wenn sich diese Bewegungen zum Teil gegenseitig widersprechen oder ausschließen, haben sie eines gemeinsam: Sie sind mit dem jetzigen Zuständen unzufrieden und hoffen auf etwas besseres. Redet man mit Vertretern dieser Gruppierungen, gibt es jedoch nicht nur Konflikte mit den äußeren Gegnern, sondern auch im Inneren.

Außer, dass wir uns als Gesellschaft in immer mehr Untergruppen aufteilen, uns das Leben gegenseitig schwer machen und negative Gefühle gegeneinander aufbauen, passiert trotz des guten Willens nicht viel. Es wird überall viel philosophiert. Ich spreche keinem Aktivisten den Aktivismus ab, aber zur Änderung gehört mehr als philosophieren und demonstrieren, speziell, wenn man von Gebieten redet, auf die die Politik oder Wirtschaft eigentlich gar keinen Einfluss haben müssen.

Fangen wir beim Thema Medien an: Alle beklagen sich über den ständigen Konsum von Medien und der beinahen Verschmelzung der weniger dominanten Hand mit dem Smartphonerücken. Setzt man sich mit diesen Menschen jedoch zusammen in eine Runde, gibt es viel im Smartphone zu sehen und wenn man den Anteil der Gespräche, die sich nicht um die aktuell gesehenen Inhalte drehen von den wenigen Gesprächsminuten abzieht, bleibt leider nicht mehr viel übrig. Widersetzt man sich dem ganzen, bekommt man fast Minderwertigkeitskomplexe, da keiner der anderen es sich leisten kann, eine Nachricht zehn Minuten später zu lesen oder eines der abonnierten Videos nicht sofort zu teilen.

Man könnte denken, dass ein ständiger Austausch mit allen Menschen, die uns je begegnet sind, viel Wissen übereinander bringt. Reflektiert man jedoch ehrlich, kennt man viele der Bekannten und sogenannten Freunde nicht wirklich. Mehr als Smalltalk ist unangenehm und wer gemein ist, könnte aus der Situation fast spöttisch unterstellen, dass viele von uns vielleicht auch wirklich nichts mehr auszutauschen haben, sondern inzwischen nur noch leere Hülsen sind.

Und da wir fast niemanden mehr wirklich kennen (Woher soll ich wissen, was mein Partner studiert hat? Über so etwas reden wir nicht!) und gefühlte 99% unseres Lebens im Internet verbringen, also in einer Welt in der der alles manipulierbar ist, haben wir verlernt uns gegenseitig zu vertrauen oder Konflikte einfach mal zu lösen und das am besten ohne einen Mediator nötig zu haben. Wir haben verlernt auf das zu vertrauen, was wir selbst mit anderen erleben und sind dadurch ständig auf der Flucht. Vor kurzen wurde ich rhetorisch gefragt, warum wir Menschen, denen wir nie begegnet sind vertrauen, aber Menschen, die wir gut persönlich kennenlernen konnten und die uns nie etwas getan haben, ständig nur schlimme Absichten unterstellen.

Die Konsequenz aus all dem ist, dass es nicht voran geht. Viele Menschen machen immer wieder dieselben Fehler. Zusammenhalt gibt es nicht mehr, da es keinen Grund gibt, zu vertrauen. Fortschritt gibt es nicht, da man ohne Zusammenhalt nicht gemeinsam an einem Strang ziehen kann.

Wer etwas ändern möchte, muss bei sich selbst anfangen. Diese Schlussfolgerung ist sehr banal, aber leider hält sich fast niemand daran. Also bitte schalte sofort deine Geräte aus und sprich mit der Person neben dir - NATÜRLICH solltest du vorher noch schnell diesen Artikel mit all deinen virtuellen Freunden teilen! Einem von ihnen solltest du sagen, wie sehr dieser Artikel auf ihn gemünzt ist und ohne Menschen wie ihn alles besser wäre! Nur um das nächste große Drama auszulösen und weil die anderen auch immer alles teilen!


Maren Zaidan
Bundesvorsitzende
DIE FÖDERALEN