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Pseudominimalisten

Und die neuen Lebensstile

Maren Zaidan, 25. Oktober 2023 11:00 Uhr

Wir reduzieren unsere Bilder.

Sie begegnen uns zwangsläufig seit Jahren immer wieder. Die Bücher, Influencer und Freunde, die einem erzählen, man könnte locker leicht die Hälfte des Kleiderschrankes wegschmeißen. Das wäre besser so. Gleichzeitig die verschiedenen Lebensstile, die sich grundsätzlich nicht vertragen. Alles für die Umwelt und eine bessere Gesellschaft. Ist das so?

Ich finde das ständige Ausmisten ist Betrug an sich selbst, der Umwelt und der Umgebung. Alles passiert natürlich unter dem Vorsatz, Minimalist zu sein, sparsam zu leben und etwas für die Umwelt zu tun. Doch was passiert wirklich? Ich stelle mir die Frage, ob Menschen, die achtsam und mit Bedacht einkaufen, wirklich viel zum Aussortieren haben. Und wenn etwas beispielsweise nicht mehr ganz schick ist, kann ich es nicht meist noch Zuhause anziehen?

Die magischen Zahlen über Besitztümer sind Betrug, wenn man weiter zuhört. So gibt es die Regel der 30 Kleiderstücke. Die Botschafter der Nachricht erscheinen jedoch immer in anderen Outfits. Erklärung bietet die Aufteilung der 30 Stücke. 30 für das Büro, 30 für Freizeit, 30 für die Zeit mit den Kindern, 30 für Sport, 30 für Gartenarbeit … also insgesamt gefühlte 1000 Kleidungsstücke! Sehr sparsam und umweltbewusst.

Die Industrie möchte den Kunden gefallen. Deshalb gibt es nun überall recycelte Ware, nachhaltige Ware und das Angebot, abgetragenes zurückzubringen, damit es recycelt wird. Leider lässt in einigen Fällen die Qualität zu wünschen übrig, was zu mehr Käufen führt. Am Ende bleibt die Frage, ob es sinnvoller wäre, gewisse Dinge selbst zu reparieren, aufzutragen, Upcycling zu betreiben oder zur Not einfach Putzlappen zu schneiden, um nicht zu verschwenderisch zu sein oder zu sehr die Umwelt zu belasten. Das ist Argument gegen Recycling, aber ein In-Frage-stellen des Konsumverhaltens und der Reparaturleistungen der Hersteller.

Ein Phänomen, welches langsam fast aus dem Trend kommt, sind Tiny Houses. So teuer wie die Eigentumswohnung und am Ende erhält der Bewohner psychische Probleme gratis dazu. Die meisten Besitztümer werden trickreich bei Familie und Freunden eingelagert und man kann sich dafür rühmen, ohne Komfort auszukommen. Das kleine Häuschen ist oftmals schnell kaputt und in vielen Staaten nur mit Tricks möglich.

All das hat mit Lebensstilen zu tun. Heute scheint es nicht so, als wenn die gewollte Offenheit wirklich dazu führt, dass jeder sein Leben so zusammenpuzzelt, wie es für ihn passt, sondern man muss sich in eine Schublade einordnen. Vor ein paar Monaten hörte ich die Aussage, die “Not like the other girls religion” der Millennials wäre Selbstbetrug gewesen. Wir ordnen uns, egal welchem Geschlecht und welcher Generation wir angehören, immer noch in ziemlich beengte Schubladen ein. Auch im Bereich der Lebensstile darf man nicht genau hinhören. Manchmal merkt man dann, dass die selbsternannten Vorbilder, die allen zeigen, wie es geht, es selbst nicht richtig können oder viel später im Leben als andere angefangen haben.

Wir sollten uns also nicht mehr in Schubladen einordnen. Vielleicht ist ein bisschen was von allem für uns am passendsten. Greenwashing gibt es inzwischen nicht nur in der Industrie, sondern auch bei vielen privaten Haushalten, welche gern shoppen gehen und trotzdem die Welt retten möchten.

P.S.: Ich kaufe jetzt nur noch blaue Sachen (für Montage natürlich!). Wer weitere Informationen möchte, folgt mir bitte auf: www.die-bunte-woche.xx


Maren Zaidan
Bundesvorsitzende
DIE FĂ–DERALEN