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Svalutation

Was jeden betrifft - aber niemand kennt

Stefan Brackmann, 2. März 2023 08:03 Uhr

Die Inflationsrate fühlt sich für mich falsch an!

Ja, jeden Tag kostet Benzin mehr und mehr
Und die lira bricht zusammen und stürzt ab.
Abwertungen, Abwertungen
Die Regierungen ändern nichts da oben



Es gibt ein Loch im Staat, wo das Geld runtergeht.

Obiges Zitat stammt aus einem älteren Lied von 1976, welches mir gestern wieder ins Bewusstsein kam, als ich die Mail der Bundesbank erhielt, in der die aktuellen Entwicklungen der Verbraucherpreise mitgeteilt wurden. Landläufig wird daraus eine Zahl hervorgehoben, die sogenannte Inflationsrate. Dass sie im Januar 8,7 % betrug deckt sich mit der bereits vorab veröffentlichten Zahl. Diese wurde nun vorläufig auch für Februar auf dem gleichen Niveau beziffert.

Immer wieder kursieren zur Inflationsrate Meldungen, die mir klar aufzeigen, dass ein Verständnis für diese Zahl in der breiten Öffentlichkeit so gut wie nicht vorhanden ist. Zur Ermittlung werden rund 700 Einzelwerte herangezogen, die selbstverständlich nicht jeden in gleichem Maße betreffen. So sind Lebensmittel und deren Preise stärker im Bewusstsein eines Einzelnen als der Preis für einen Kühlschrank. Dies drückt sich in einer „gefühlten“ Preissteigerung aus. Diese weicht insbesondere dann stark vom offiziellen Bericht ab, je stärker davon Produkte betroffen sind, die täglich konsumiert werden.

Daraus können durchaus Spannungen in der Gesellschaft entstehen, die ein Volkswirt sich so gar nicht erklären kann. In der Forschung wird der Begriff „Kipppunkte“ gerne verwendet, wenn eine herrschende Meinung irgendwann umschlägt. Hier ist eine übergreifende Forschung angeraten, in der auch Soziologen und Psychologen beteiligt werden. Ein erster kleiner Schritt wurde bereits umgesetzt, jeder kann sich seine individuelle Inflationsrate auf der Seite des Statistischen Bundesamtes selbst errechnen.

Ein weiteres Augenmerk ist auf Produkte zu richten, die sehr stark dem technischen Fortschritt unterliegen. Hier sind zum Beispiel Computer und Mobiltelefone zu erwähnen. Bei diesen wird eine sogenannte „hedonische“ Berechnung angewandt, die Preissteigerung um den technischen Fortschritt bereinigt. Auch das kann man hinterfragen, führt dieses Verfahren doch zu einer Verringerung der Inflationsrate, ohne die Möglichkeit, das für sich sinnvoll umsetzen zu können.

Alle Bereiche des Warenkorbes sollten so gewichtet werden, dass sie dem tatsächlichen Verbrauch eines Durchschnittshaushaltes entsprechen. Da wird der Preis für ein Auto, welches man nur in längeren Zeitabständen erwirbt, selbstverständlich entsprechend niedrig gewichtet. Ebenso will man ja auch nicht regelmäßig die Dienstleistung der Bestattung für sich in Anspruch nehmen.

Die Inflationsrate stellt ein wichtiges Instrument zur Messung volkswirtschaftlicher Daten, nicht nur im Inland, sondern auch international dar. Beruhen auf ihr doch viele weiterreichende Maßnahmen, wie Tarifverhandlungen, indexierte Verträge (Mieten oder auch Anleihen!) und auch die Politik der Notenbanken. Daher sollte und wird auch bei der Berechnung ein besonderes Augenmerk auf die Qualität der Daten und der Berechnung gelegt. Hier empfehle ich die Erläuterungen des Statistischen Bundesamtes, die sehr ausführlich auf alle Fragen eingehen.

Um nun obiges Zitat aufzulösen, es stammt aus dem Lied Svalutation von Adriano Celentano und erinnert mich immer wieder gerne an meine Rock’n’Roll-Zeiten.


Stefan Brackmann
Bundesvorsitzender
DIE FÖDERALEN



Quellen:
https://www.bundesbank.de/resource/blob/805836/f6285231de70d3d269b15e0b292ddddb/mL/sb1dpr02-data.pdf
https://service.destatis.de/inflationsrechner/
https://youtu.be/Rl7uzWhPuSg