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Die Angst vor Corona ist weg!

Oder doch nicht?

Maren Zaidan und Stefan Brackmann, 26. April 2023 09:00 Uhr

Der Mut alles zu tun, was ich will

Vor kurzem bekamen wir ein Video eines Psychologen geteilt, der einige Zeit nach der Beendigung der Maskenpflicht selbst zum ersten Mal wieder mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs war. Er nutzte diese Gelegenheit, um die These aufzustellen, dass die Menschen gar keine Ängste während der Pandemie hatten und nur Gehorsam zeigten. Ängste gehen nur langsam weg, so die Begründung.

Nach Betrachtung des Videos waren wir zunächst skeptisch, aber äußerten uns nicht. Vielleicht täuschten die eigenen Einstellungen über die reale Situation hinweg. Inzwischen war etwas Zeit, die Lage auf diesen Aspekt hin zu beobachten und selbst zu beurteilen. Eine Kritik war jedoch von Anfang an berechtigt, zwischen dem Wegfall der Maskenpflicht in diesem Bereich und dem Video war einige Zeit vergangen.

Die eigene Beobachtung am Ende der Maskenpflicht im Vergleich zu den ersten Wochen nach der Beendigung war eine andere. Ich hätte damit gerechnet, dass nun mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen, da die Maskenpflicht nicht mehr hindert. Stattdessen waren die Verkehrsmittel zunächst erstmal leerer. Ich nahm an, einige mieden die Gefahr.

Was ist inzwischen, nachdem alle Maßnahmen beendet sind? Egal wo man hingeht, die Menschen reden immer noch darüber, dass sie Angst vor einer Ansteckung haben. Sie wägen immer noch ab, wohin sie gehen und woran sie teilnehmen, um einer Ansteckung zu entgehen. Man hört immer noch, dass Menschen sich täglich selbst testen, testen, sobald sie etwas an sich selbst oder bei einem anderen auffällig finden oder sogar andere zum Testen auffordern und dem anderen dabei zur Not einen Test zur Verfügung stellen. Es gibt immer noch genug Menschen, die mit Masken unterwegs sind.

Sind die Ängste also weg? Nein. Unserer Meinung nach ist jetzt jedoch der umgekehrte Effekt von damals aufgetreten. Man gibt sich möglichst unängstlich, da es so nun die Regel ist. Man redet über die Ängste, damit man sich entweder durch das Feedback anderer beruhigen kann oder merkt, dass man mit diesen Ängsten nicht allein ist. Man sucht nach Bestätigung und Mitgefühl.

Dazu gibt es inzwischen andere Ängste. Kann ich die Miete / Nebenkosten und das Essen nächstes Jahr noch bezahlen? Geht im nächsten Winter die Energie aus? Breitet sich der Krieg aus? Die Angst vor dem Virus tritt in den Hintergrund und wurde zum Teil sogar von der Politik als inzwischen unbegründet erklärt.



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