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Ein zweiter Blick auf die Psyche

Eine Weiterentwicklung zur Verschlimmerung ist kein Fortschritt

Maren Zaidan, 9. Juni 2021 09:00 Uhr

Immer mehr Menschen in Deutschland benötigen Hilfe aufgrund von psychischen Problemen.

Die Zahl der diagnostizierten Menschen mit psychischen Erkrankungen steigt weiter an. Einerseits spielt dabei die Corona-Krise und die mit ihr verbundenen Maßnahmen eine Rolle, andererseit hat der Anstieg, welcher kein Trend mehr ist, sondern signifikant geworden ist bereits im Jahr 2019 begonnen. Bereits in den Jahren vorher wurde verzeichnet, dass die Anzahl der psychisch erkrankten Männer anstieg. Aufgrund der Änderung des Rollenbildes und Idealbildes von Männern und Frauen, ist es hierbei jedoch nicht klar, ob inzwischen mehr Männer zugeben psychische Leiden zu haben und Hilfe suchen oder wirklich mehr Männer erkranken. Die Entwicklungen bei Kindern und Jugendlichen sind jedoch dramatisch und besorgnis erregend.

Bereits seit vielen Jahren verzeichnet man auch eine größere Anzahl von Kindern mit Stresssymptomen, ADHS und Co. Unsere Gesellschaft entwickelt sich in zwei konträre Richtungen. Einerseits verlangen einige Eltern von ihren Kindern immer mehr, um ihnen die besten Schulen und Förderungen bieten zu können, andererseits haben sich Kindererziehung und -pflege in eine Richtung entwickelt in der beispielsweise Konzentrationsprobleme kein Wunder sind. Die Annahme, dass die Kinder und Jugendlichen inzwischen durch Lehrer, Erzieher, Eltern und Kinderärzte überdiagnostiziert werden, macht nur einen Teil der Trends besser. Ist es langfristig besser Kindern und Jugendlichen übertriebene Diagnosen zu geben, sie zu therapieren, medikamentös einzustellen und das Leben mit der erdrückenden Schublade einer psychischen Erkrankung starten zu lassen? Und was hat die Krise für Auswirkungen auf die Kinder und Jugendlichen der heutigen Zeit? Für Minderjährige sind all die Kontakte, welche seit 2020 eingeschränkt werden, von großer Bedeutung. In einem solchen Ausmaß hat die Welt noch nie die Kontakte von Kindern und Jugendlichen eingeschränkt. Die Folgen sind nicht absehbar. Aber Erlebnisse können nicht nachgeholt werden. Der Umgang mit anderen Menschen muss geübt werden. Erfahrungen kann man nicht aus Büchern nehmen. Die durch Einsamkeit entstanden Probleme des Einzelnen können schlechter ausgeglichen und weggetröstet werden, wenn alle anderen dasselbe Problem haben. Das Gehirn muss sich entwickeln können. Während der Kindheit und Jugend kann jedoch sehr viel kaputt gemacht werden.

Aber wie bereits geschrieben, das Problem begann vor der Krise. Unsere gesellschaftliche Entwicklung krankt nicht erst seit Covid-19. Es stellt sich die Frage, warum immer mehr Menschen psychisch erkranken. Gründe gibt es viele. Sie sind auch Motivationen für die Existenz dieser Partei.

Es ist einfacher Menschen mit Medikamenten voll zu pumpen als mit ihnen zu arbeiten. Die Pharmaindustrie verdient gut daran und es werden weniger Psychotherapeuten und Seelsorger aller Art benötigt. Studienergebnisse, dass vieles ohne Medikamente besser behandelbar ist, werden gern übersehen. Ein zurückgehen, wie in Kanada, auf eine Gesellschaft in der Menschen mit psychischen Erkrankungen in ihrer Gemeinde integriert, akzeptiert und aufgefangen werden, wird in Deutschland oft nur theoretisch betrachtet. Zudem ist es sehr schwer, dies in einem Land umzusetzen, in dem man den Bildungsstand niedriger hält und sehr vieles bereits krankt.

Wir haben dafür einen hohen Schnitt an Jahren bis Menschen sich Hilfe für ihre Probleme suchen in Kombination mit einer Wartezeit auf einen Therapieplatz, die so lang ist, dass sie viele wieder davon abhält sich wirklich helfen zu lassen. Wir haben Therapiedauern, die umstritten sind. Es gibt immer wieder Studien, welche zeigen, dass viele psychische Erkrankungen viel schneller als meist geschehen, heilbar oder verbesserbar sind.

Das Thema ist vielen immer noch zu unangenehm. Wie lange wollen wir noch warten? Wir fordern eine Neuberechnung der Psychotherapiekassenplätze, einen geringen Einsatz von Psychopharmaka und einen Diskurs über die Irrwege des gesellschaftlichen Lebens in den letzten Jahren.

Das wichtigste ist jedoch, die Maßnahmen in der Krise nicht auf diese Art weiterzuführen! Weitere Lockdowns und Beschränkungen im nächsten Herbst und Winter lassen die Menschen nicht gesunden!


Maren Zaidan
Bundesvorsitzende
DIE FÖDERALEN