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Die alltäglichen Zaubermittel unseres Lebens

Wie wir unsere Leben mit Heuristiken und anderen Mitteln einfacher, aber manchmal auch schwerer machen

Maren Zaidan, 18. Juli 2020 06:02 Uhr

Wir zaubern uns durch das Leben

Heuristiken sind eine geniale Idee unseres Gehirns. Wie wir alle gelegentlich merken, sind Menschen eher faul. Wenn wir manchmal vor Faulheit die Aufgaben nicht schaffen, die eigentlich dran wären zu erledigen, warum soll unser Gehirn dann immer ganz genau arbeiten? Faulheit und Abkürzungen führen zu Fehlern. Wer zu faul ist mehrmals zu laufen und versucht alles auf einmal zu tragen, lässt manchmal die Tasse fallen. Es gibt Scherben. Unsere Faulheit wird bestraft. Auch unser Gehirn spart gern mal ein paar Meter ein und dann passiert es – es liegt falsch. Wir treffen schnell Urteile über neue Situationen und Menschen indem wir von bereits Erlebten ableiten. Leider sind diese alten Erlebnisse auch nicht leicht abzulösen. Wenn wir bereits gelernt haben, dass rothaarige Bücherwürmer Kaffeetassen fallen lassen, werden wir Erlebnisse anderer Art erst einmal rausfiltern und vergessen.

So sehr die meisten von uns gegen Stereotype bei Menschen ankämpfen wollen, es klappt nicht so richtig. Leider haben wir viele Stereotype. Manche von ihnen haben wir von anderen gelernt, andere haben wir uns im Lauf unseres Lebens selbst gebildet. Sie sollen uns eigentlich schützen, doch wie die Heuristiken sind es Abkürzungen. Diese Abkürzungen lassen uns sogar Dinge an einer Person übersehen. Die übersehenen Aspekte sind die, die für uns nicht ins Bild passen. Manchmal sehen wir Dinge, die nicht da sind, weil sie zu unserem Bild dieser Menschengruppe sehr gut passen.

Zudem schreiben wir das Verhalten von Menschen oft nicht den Situationen zu. Wir sehen leider oft nicht die Umstände unter denen etwas passiert, sondern die Persönlichkeit des Menschen. Wir rechnen uns selbst gern die Umwelteinflüsse zu, aber den Anderen unterstellen wir einfach so zu handeln und zu argumentieren, weil ihr Charakter dazu passt. Die Realität ist, dass wir alle sehr von unserer Umwelt und den Umständen beeinflusst werden.

Wir bekommen einen Eindruck von Menschen und behandeln diese Menschen dann dementsprechend. Bei manchen dieser Menschen wissen wir nichts über deren Wissen, Bildung und Hintergrund. Ab und zu erschrecken wir über das was wir dann hören. Ab und zu haben wir in unseren Einschätzungen komplett falsch gelegen. Leider spielt das Niveau auf dem wir unser Gegenüber einschätzen oft eine Rolle bei der Behandlung die wir demjenigen gegenüber bringen. Jemand der hoch gebildet ist wird oft anders behandelt, als eine Person ohne Schulabschluss. Doch wie wir behandelt werden, beeinflusst unser Verhalten. Vor Menschen, die uns für dumm halten, könnten wir uns schlechter intelligent verkaufen. Wir machen mehr Fehler. Menschen, die überschätzt werden, erhalten Anerkennung und verkaufen sich ein Stück besser als sonst.

Unsere Entscheidungen hängen oft von Argumentationen ab, die wir in den Medien, Vorträgen und von Bekannten hören. Hierbei lassen wir uns, ob wir es wollen oder nicht, leider oft von falschen Signalen beeinflussen. Was gibt die Quelle der Information vor zu sein? Ist derjenige sympathisch? Wie erfahren ist die Person? Wie attraktiv ist die Person? Wird deutlich, dass ich überzeugt werden soll? Werden nur einseitige Argumente vorgebracht? Aber auch Fragen an mich selbst: Wie aufmerksam bin ich? Wie alt bin ich? Wie intelligent bin ich? Menschen, die darauf trainiert sind zu verkaufen und zu überzeugen, wissen um all das und werden mit diesen Faktoren spielen.

Um unser gesellschaftliches Leben zu verbessern, miteinander fairer umzugehen und weniger auf die falschen Argumente zu hören, sollte auch all das uns bewusst sein. Alle Abkürzungen, die wir im Leben nehmen, haben ihre Vorteile. Ohne diese mentalen Abkürzungen wäre unser Alltag viel schwerer. Diese Abkürzungen werden jedoch von vielen Menschen professionell genutzt. Wenn wir ab und zu ein wenig mehr aufpassen, wann es falsch ist, den kürzeren Weg einzuschlagen, können wir dafür sorgen, dass weniger Menschen verletzt werden und weniger Fehlentscheidungen im Großen und im Kleinen Begangen werden.



Maren Zaidan
Bundesvorsitzende der Partei DIE FÖDERALEN
Essen, den 18.07.2020