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Gesellschaftsparodie

oder die Gesellschaft parodiert sich selbst

Maren Zaidan, 2. Januar 2021 07:00 Uhr

Wie die Würfel der Gesellschaft fallen, ist kein Zufall.

Wir haben vor etwa einen halben Jahr eine Partei gegründet. In erster Linie gründet man Parteien, um politische Probleme zu lösen. Doch es geht in diesem Fall viel weiter. Man könnte sagen, wir waren alle irgendwann in den letzten Jahren oder Monaten aufgewacht und haben festegestellt: Wir haben eine Gesellschaftskrise!. Die jetzigen Zustände sind nur die Spitze des Eisbergs! Achtung, ziehen sie die Rettungswesten an, der Kapitän scheint das Schiff verlassen zu haben!

Ich bin in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung aufgewachsen und mein Leben lang war das Thema die Wiedervereinigung in den Köpfen. Zum letzten Tag der Deutschen Einheit schrieben die Zeitungen dann, dass die Mauer in den Köpfen so weit abgerissen ist, wie nie zuvor. Ein Grund zur Freude. In der heuten Freiheits- und Friedenbewegung diskutiert man auch nicht mehr, wer wann und wo Hausschuhe trägt, sondern hält zusammen. Ein Grund zur Freude. Nun les ich, von dem Ostbeautragten der Regierung, dass im Osten Deutschlands gehandelt wird als gebe es das Virus nicht. Er lebt in einer Stadt, die ich als Heimat zähle. Abgesehen davon, dass ich mich von der Position an sich jedesmal leicht angegriffen fühle, da es ausdrückt, dass meine Familie und meine alten Freunde als Sonderfälle abgestempelt werden, empfinde ich die neue Aussage als erneuten Spaltungsversuch des Landes. Warum müssen immer auf Unterschiede hingewiesen werden? Warum so stark, dass ich bis heute über die kleinen, lustigen Gemeinsamkeiten schmunzeln muss?

Egal, ob man an die Schwere von Corona glaubt oder nicht, auf beiden Seiten und überall zwischendrin merkt man, dass die Menschen in unserem Land mit ihren Ängsten und Problemen nicht mehr umgehen können. Es fehlt an den richtigen Coping-Strategien. Viele von uns kennen nur noch Tot stellen und den nächsten, der scheinbar noch wackelt zuflüstern: Was kann uns noch retten? Ich habe solche Angst!. Wer nicht untergehen möchte, sollte handeln. Viele sind jedoch weder in der Lage ihr Immunsystem ein wenig aufzupeppen, noch sind sie dazu in der Lage, unsere Rechte und Freiheit ein wenig selbst mit zu schützen. Ohne Oberlehrer geht es für die meisten nicht und das in einem Land, in dem viele glauben jeglicher, winzige Ansatz von Autorität oder fremden Rat wäre schädlich.

Womit wir beim Thema Bildung und Erziehung sind. Die aktuelle Krise zeigt, dass auch die schönen Argumente gegen die schlechten Bildungsstudien falsch sind. Ein Land, welches Anwendungsorientiert bildet, bringt keine hilflosen Bürger hervor. Ein Land, in welchem jedoch die Bildungs- und Entwicklungsziele an die verlachlässigten Kinder und Jugendlichen angepasst werden, damit nicht so viele Eltern gesagt bekommen, dass Springseil springen in der Grundschule eine gewöhnliche Fähigkeit ist und jedes Verhalten süß ist, solange der Handelnde noch einigermaßen niedlich ist, konnte nur in große Probleme geraten.

Erziehung sorgt auch dafür, dass Kinder sozialisiert werden. Ein Kind ohne jegliche Anpassung merkt nicht mehr, dass es etwas falsch macht, da es ohne Pause schräg angeschaut wird. Keinerlei Anpassung an die Mitmenschen führt jedoch auch dazu, dass man mit niemanden längerfristig zurecht kommt. Wenn ich dir den Hammer auf den Kopf haue und du im Gegenzug die Kettensäge als Schwert benutzt, werden wir keine Freunde. So haben wir eine Gesellschaft mit immer höheren Single-Anteil. Nicht immer ungewollt, wenn man sich umhört, bevorzugen viele inzwischen die Unabhängigkeit.

Inzwischen beklagen Organisationen weltweit, dass die immer mehr nötigen Single-Packungen auch immer mehr Müll produzieren. Müll, der unsere Welt nicht gesünder macht. Packungsgrößen, die dafür sprechen wie viele Menschen einsam sind. Die Wohngemeinschafts ist oft auch nur noch das Mittel sich die Miete in der viel zu teuren Großstadt leisten zu können. Etwas gemeinsam essen oder unternehmen, wäre viel zu kompromissvoll!

Unabhängig sein, heißt auch keine Verantwortung mehr übernehmen müssen. Wer keine Verantwortung für eine Beziehung und die unschönen Teile einer solchen eingehen möchte, wird auch keine Verantwortung für Kinder tragen (wollen), aber das Thema hatten wir bereits.

Verantwortung, Bildung, Lebensmittelindustrie, hinterlistiges Marketing? Man weiß es nicht mehr, aber die Menschen sind nicht nur zu dick geworden, sie haben auch jegliches Wissen über Ernährung vergessen. Bittermandeln sind kein Leckerli, sondern können ab einer gewissen Menge umbringen und nein, wir wechseln nicht ständig unsere Stoffwechseleigenschaften. Es ist nicht logisch, dass wir in dem einen Jahr Kokosöl essen, trinken, schmieren und schnuppern und es im nächsten verabscheuen und stattdessen zu Avokado-Junkies mutieren! Fruchtkuscheltiere sind eine nette, sehr unpratische Küchendeko, aber kein Merchandise für trendiges Obst und Gemüse!

Etwas ändern können wir auch nicht, den die meisten Menschen sind inzwischen stolz darauf unpolitisch zu sein. Ich habe immer noch nicht ganz verstanden, was das konkret heißt. Ich habe aber gelernt, dass dieser Teil meiner Mitmenschen grundsätzlich schlecht informiert ist, von Nachrichten, die ausversehen überschwabben grundsätzlich schockiert ist und als Lösung für die heutigen Probleme das verkriechen in Phantasiewelten gefunden hat.

Superman, wo bist du? Inzwischen leben wir in einer Welt von Social Distancing und selbst die Filmhelden haben Probleme bekommen. Mickey Mouse hat Finanzierungsprobleme. Es lohnt sich nicht mehr den idealen Partner, der im realen Leben nichts von uns wissen wöllte, auf die Leinwand zu bringen. Wie schade! Vielleicht ein Argument das un in unpolitisch zu streichen und selbst etwas zu unternehmen? Bei Interesse, können Sie sich gern bei meinem Assistenen Deadpool melden, ein Antiheld, aber etwas mehr Chaos kann in diesen Zeiten nicht mehr schaden!


Maren Zaidan
Bundesvorsitzende
DIE FÖDERALEN