Themen > Politik

Gutes Home Office, schlechtes Home Office

Aufgrund der Ansteckungsgefahr machte man den Menschen das Home Office in diesem Frühjahr schmackhaft. Für manche ist es eine Herausforderung, andere wollen nicht mehr in das alte Büro zurück. Jetzt berichtet man über die wieder zunehmende Ansteckungsgefahr, aber gleichzeitig gibt es die Überlegung, die Arbeit aus dem Home Office höher zu besteuern.

Maren Zaidan, 22. November 2020 14:17 Uhr

Das Home Office wird attraktiv gemacht

Als die ersten Covid-19 Fälle in Deutschland aufgetaucht sind, schickte man Risikogruppen, die in der Lage sind, auch von zuhause aus zu arbeiten, ins Home Office. Ein paar Wochen später folgten viele andere Arbeitnehmer, um das Ansteckungsrisiko zu verringern. Für viele war es das erste mal im Home Office. Für manche wurde es zum Fluch, für andere zum Segen. Inzwischen findet man alle Varianten von Home Office Regelungen.

Die, denen das Home Office eher Vorteile brachte und die, die aus dem ein oder anderen Grund Angst vor einer Erkrankung haben, erfreuen sich nun, wenn sie vorerst oder für immer weiter von Zuhause aus arbeiten können. Die Bundesregierung denkt darüber nach, wie man die Arbeit aus dem eigenen Haus heraus fördern kann. Die Medien berichten seit dem Frühjahr über Tricks wie man die Arbeit von zuhause aus besser erledigen kann - angefangen mit Selbstdisziplin über gleichzeitige Kinderbetreuung und Einsamkeit bis hin zum Frösteln durch Bewegungsarmut. Insgesamt wird das Home Office den Menschen im Jahr 2020 schmackhaft gemacht.

Nun kam die “Deutsche Bank Research” zum Schluss, dass man Heimarbeit stärker besteuern sollte, um sozial Schwache zu unterstützen [1]. Auf den ersten Blick kommen mir dabei gleich mehrere Gedanken. Erstens, die Maßnahmen zur Eindämmung von Corona werden gerade wieder angezogen. Ich gehe davon aus, dass wieder mehr Menschen ins Home Office geschickt werden, ob diese wollen oder nicht. Dazu zählen ganz speziell die Risikogruppen. Bei einigen Krankheiten liegt auch eine finanzielle Belastung vor, weil nicht alles von der Krankenkasse übernommen wird, was nötig ist, um gut mit der Krankheit klar zu kommen. Zweitens wurden im Jahr 2020 Menschen ins Home Office geschickt, bei denen man bis vor ein paar Monaten nicht annehmen konnte, dass sie ihre Arbeit vom Notebook aus erledigen können. Wer hätte gedacht, dass betriebseigene Physiotherapeuten und ähnliches von zuhause aus gegen Rückenschmerzen vorgehen können? Eben diese Berufsgruppen sind es auch oft, die kein üppiges Gehalt beziehen und für die eine höhere steuerliche Belastung schädlich ist.

In einem bekannterweise höchst kinderunfreundlichen Land entscheiden sich viele Mütter, Väter und zum Teil junge Großeltern für das Home Office, um individueller und besser für den Nachwuchs sorgen zu können. Erst vor kurzem wurde berichtet, dass die Zuschüsse für in Armut lebende Kinder nicht ankommen. Dies scheint nicht an den fehlenden Mitteln, sondern an den eingebauten Hindernissen und schlechter Kommunikation zu liegen [2]. Auch viele andere Fördergelder und Subventionen werden nicht genutzt. Das Argument den sozial Schwachen zu helfen klingt großherzig, doch wenn immer weniger vom Lohn übrig bleibt und gleichzeitig Fördergelder unbekannt oder für die Zielgruppe zu schwer zu beantragen sind, nützt es nichts mehr Geld für sozial Schwache aufzubringen.

Die Argumentation der Deutschen Bank beruht auf niedrigeren Kosten für die Arbeitnehmer. Andere argumentieren mit höheren Kosten, da auch das Home Office Kosten abverlangt, die bei der Arbeit vor Ort nicht anfallen.

Es ist wieder einmal eine Analyse, bei der einfach gerechnet wurde ohne über die eigentliche Situation nachzudenken. Vielleicht auch eine Analyse bei der nicht die finanzielle Situation der Menschen mit anderen Jobs als dem eigenen beachtet wurde. Das Home Office wurde Menschen zum Teil aufgezwungen, dann wurde es schmackhaft gemacht, und nun, wenn manch einer nicht mehr zurück kann oder möchte, soll das erst verlangte Verhalten bestraft werden. Rationale Analysen und Forschung sind gut. Am Ende sollten jedoch immer noch einmal die Zahlen mit den Lebenswelten der realen Menschen abgeglichen werden.


Maren Zaidan
Bundesvorsitzende
DIE FÖDERALEN

Quellen: