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Kinder an die Macht!

Kommentar":" Warum es keine gute Idee ist Greta Thunberg als Redakteurin einzusetzen.

Maren Zaidan, 7. Dezember 2020 08:30 Uhr

Greta Thunberg ist die Begründerin der Klimaschutzbewegung Fridays for Future

Greta Thunberg ist weltweit ein Vorbild für viele junge Menschen geworden. Jetzt bekam sie in ihrem Heimatland Schweden die Chance, für einen Tag Redakteurin einer großen Zeitung zu sein. Die Reaktionen darauf sind gemischt.

Journalismus ist eine umstrittene Branche. Die Stereotypen reichen von hochgebildet bis aufdringlich und widerlich. Journalismus zu studieren, war für lange Zeit angesehen bis die Presse vom Untergang bedroht wurde. Das Internet kam und damit ein Rückgang der Verkaufszahlen im Printbereich. Die Zeitungen schufen Internetredaktionen, die dafür bekannt wurden, oft etwas schlechter als die klassische Redaktion zu sein. Heute stellt man sich manchmal die Fragen, wie viele Journalisten noch eine passende Ausbildung absolviert haben. Vieles ist schlecht recherchiert und nicht besser geschrieben.

Nun könnte man sich fragen, wie lange sich der Journalismus noch selbst ein Grab schaufeln möchte. Greta Thunberg war mit ihren süßen siebzehn Jahren Redakteurin einer großen schwedischen Zeitung, wenn auch nur für einen Tag. Es klingt wie ein Kindertraum oder ein amerikanischer Teeny-Film.

Greta Thunberg ist Aktivistin. Welche Meinung man über ihre Proteste und ihre Demonstrationen hat oder ob man Greta mag, spielt keine Rolle. Zeitungen sollten neutral berichten oder gut recherchiert eine Seite einnehmen. Eine große schwedische Zeitung sollte natürlich über Fridays for Future und Greta Thunberg berichten, aber sollte nicht zum Werbeblatt für eine Bewegung oder gewisse Aktivisten werden. Es wäre etwas anderes, wenn Fridays for Future eine eigene Zeitung oder ein eigenes Magazin herausbringt.

Die andere Sache ist der Anspruch den viele Menschen doch noch an Journalismus stellen. Die Zeitung rechtfertigt die Aktion mit der Begründung, dass Greta selbst nicht geschrieben hat, sondern Redakteurin war und die Journalisten sehr geschätzt hat. Ich finde genau das Gegenteil wäre vertretbar. Mir wäre die Aktion egal, wenn Great Thunberg die Chance bekommen hätte einen Artikel oder von mir aus auch eine Artikelreihe zu schreiben. Die Redaktion eines großen Blattes jedoch in die Hände einer siebzehnjährigen zu geben, halte ich für gewagt. Mit siebzehn fühlt man sich erwachsen und gebildet. Great Thunberg hatte in den letzten Jahren einen solchen Erfolg, dass ihr Selbstwertgefühl sicher nicht geringer ist als das Gleichaltriger, doch wie denkt bereits ein zwanzigjähriger über das was er mit siebzehn dachte und wusste?

Jugendliche sollten gefördert werden, Aktionismus sollte von der Presse differenziert beleuchtet werden. Junge Menschen bringen frischen Ideen und Ansätze, aber es gibt Gründe, warum wir weltweit seit Jahrhunderten Ausbildungssysteme haben. Es gibt Gründe, weshalb die Chefetage meist nicht aus Teenagern besteht und der Chefredakteur meist ein abgeschlossenes Studium und etwas Lebenserfahrung hat.

Und zuletzt, stell ich mir dieselbe Frage, die man sich immer wieder bei den Casting-Show-Stars gestellt hat, welche die Schule mit sechzehn für einen Plattenvertrag beendet haben. Hat einer der Menschen, die Greta gerade darin fördern ihre Ausbildung zu vernachlässigen, weltweit namentlich bekannt zu sein und in Gefahr zu schweben, dass der Hype irgendwann vorbei ist, je daran gedacht, was nach Fridays for Future für Greta im Leben kommt?


Maren Zaidan
Bundesvorsitzende der Partei DIE FÖDERALEN

Quelle: https://www.welt.de/vermischtes/article221886684/Greta-Thunberg-als-Chefredakteurin-Das-sind-Fakten-keine-Meinung.html