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Meinung oder Aufmerksamkeit

Die ekelhafte Seite der sozialen Medien

Maren Zaidan und Stefan Brackmann, 20. April 2023 09:00 Uhr

Politische Meinung gleich

Wenn ich an soziale Medien denke, wird mir inzwischen schlecht. Egal wo man schaut oder wen man beobachtet: Es ist nur ein Spiel um Aufmerksamkeit.

Da sind die einen, die sich selbst feiern, ihren Lifestyle feiern oder Produkte verkaufen wollen. Mit einem realen Leben hat diese Welt meist wenig zu tun.

Dann gibt es die Fraktion, welche Mitleid möchte. In deren Leben ist alles ganz furchtbar und trotzdem ist genug Zeit da, um stündlich etwas zu posten. Angeblich hält online rumjammern am Leben.

Und als letztes sind die politisch und gesellschaftlich Kritischen zu nennen. Bei diesen verliere ich den letzten Glauben an unsere Gesellschaft. Eine Meinung haben, wird verwechselt mit Ablästern und Beleidigen. Meist liegen die Posts unter jedem Stammtischniveau. Was es bewirken soll, seinen Kreis sehr eng anzustecken und alle anderen zu beleidigen oder ihnen zu drohen, verstehe ich nicht. Ich glaube nicht, dass sich so etwas zum Guten ändert. Aber es bringt Follower. Schaut man auf die Klicks, Likes, Follower und Teilungen, sind die am erfolgreichsten, die am niveaulosesten sind.

Da die meisten Beiträge aufgrund des Mediums nur sehr kurz ausfallen, ist die Stimmung / Zeiteinheit - Ratio besonders hoch. Um das auf die Spitze zu treiben, besteht demnächst solch ein Beitrag nur noch aus einem herausgebrüllten Schimpfwort.

Wie sieht also unsere Zukunft aus? Nur wer aggressiv, verachtend und aufmerksamkeitsgeil ist, wird ernst genommen. Diese Menschen wollen die Gesellschaft weiter spalten und glauben, dass dieses Verhalten die Lösung ist.

Viele lehnen durchdachte Lösungen ab. Denn ohne Aggression ginge es nicht.

Es wird Zeit, dass die einzelnen Menschen weiterdenken. Wohin führt all das?


Maren Zaidan und Stefan Brackmann
Die Bundesvorsitzenden
DIE FÖDERALEN