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Das Einkaufslabyrinth

Wie sich die Meinungen von Herrn Laschet so verbiegen, dass am Ende der unaufmerksame Zuhörer begeistert ist

Maren Zaidan, 16. Dezember 2020 16:00 Uhr

Noch nicht alle Geschenke für dieses Weihnachten?

Gestern war der 23. Dezember 2020. Nein, ich bitte um Entschuldigung. Es fühlte sich in den deutschen Innenstädten an, wie der 23. Dezember in anderen Jahren. Wie gestern, am 15.Dezember 2020 in Brackies Ecke bereits besprochen wurde, startet heute ein harter Lockdown. Alle Geschäfte, die nicht notwendig sind, haben gestern Abend ihre Türen bis zum 10. Januar 2021 geschlossen. Das wenige, was es dieses Jahr an Weihnachtsunterhaltung gab, wurde abgebaut. Die Menschen standen in Schlangen vor den Geschäften, um schnell noch Geschenke zu kaufen oder die Lichterkette, die letztes Jahr kaputt gegangen ist, zu ersetzen. In den Buchhandlungen konnte man all die beobachten, die aus Verzweiflung schnell den passendsten Bestseller für einen Lieben, aber schwer zu beschenkenden Menschen raussuchten.

Bis gestern war die Schlussfolgerung im guten und im schlechten Sinn: Es ist schade um den lokalen Einzelhandel, aber alles was bis Dienstag nicht im Haus ist, muss und kann online bestellt werden. Wir alle dachten an denselben beliebten, aber auch viel zu groß und viel zu mächtig gewordenen Onlinehändler. Es wirkte unfair. Die kleinen Unternehmen haben es schwer, den Jahreswechsel zu überstehen und der Riese bekommt noch mehr.

Gestern griff Herr Laschet dann in das Geschehen ein und machte den Lockdown fairer. Er rät allen Bürgern Amazon abzulehnen und stattdessen Gutscheine zu basteln, welche im nächsten Jahr eingelöst werden.

Basteln und malen Sie bereits? Wenn nicht, dann denken Sie bitte kurz mit! Hier gibt es gleich mehrere Knackpunkte.

Gutscheine sind in manchen Fällen eine schöne Sache. Manchmal wirken sie etwas unpersönlich, andererseits haben sie viele Vorteile. Wenn man am 24. Dezember im Gartencenter beobachtet hat, wie ein Gutschein gekauft wurde, bekam man manchmal etwas Mitleid mit dem armen Verwandten oder Freund, der scheinbar fast vergessen wurde.In diesem Jahr erahne ich Gutscheine für Gutscheine! Nun lernen wir nicht nur, dass man sich an Weihnachten in der Anzahl der Liebsten begrenzen muss, wir lernen auch, dass das Geschenke unterm Weihnachtsbaum auspacken scheinbar von gestern ist.

Was möchte Herr Laschet uns mit seiner Empfehlung sagen? Sollen wir den lokalen Einzelhandel und Amazon bekämpfen? Vielleicht auch alle anderen Online-Händler? Sollen wir auf die Kosmetik-Geschenksets aus dem Supermarkt und der Drogerie zurückgreifen? Ist dies nicht in Wirklichkeit nur eine unbedachte Aussage, um den Ruf zu retten? Ja, Amazon hat viel Marktmacht und muss nicht noch größer gemacht werden, aber Amazon ist genauso Arbeitgeber und in einem Jahr, wie diesem, eine große Hilfe. Sie haben der Bevölkerung Angst gemacht. Viele trauen sich nicht mehr ohne Hilfsmittel und Schutzmaßnahmen aus dem Haus und bestellen lieber online. Andere haben es bis zum Ladenschluss gestern Abend nicht geschafft alles für die nächsten Wochen zu besorgen.

Gesunde Erwachsene können mit einem Gutschein, auf dem ein Geschenk für das nächste Jahr versprochen wird, umgehen und Geschenke sollten wirklich nicht alles an Weihnachten sein. Aber was ist mit den Kindern? Wie erklären unsere Politiker einem Kindergartenkind, dass der Weihnachtsmann leider dieses Jahr keine Wichtel zum Spielzeug bauen in der Werkstatt hatte? Hätte es nicht bessere Empfehlungen gegeben? Was ist mit all den anderen Onlineshops?

Weihnachten ist eine Zeit zum in sich kehren und man sollte sich eigentlich auf die wichtigen Werte im Leben besinnen. Diese Werte liegen für mich in der Familie und in Freunden. In diesem Jahr werden wir darin eingeschränkt. Herr Wieler empfiehlt uns unter den Kontaktzahlen zu bleiben. Im Jahr 2020 lebt es sich am besten als Einsiedler ohne jegliche Motivation zu Geselligkeit und Mitgefühl.

Ich bastel gern und schreibe tatsächlich auch jedes Jahr noch Weihnachtskarten. Die Empfehlungen von Herrn Laschet lassen mich gerade jedoch alle Stifte, Kleber und Bastelmaterialien weit wegpacken. Ganz am Rand: Ich frage mich wie Schlangen vor und nach dem Lockdown Coronainfektionen verhindern sollen, aber wie bei allem im Jahr 2020, ist da wohl meine Fantasie gefragt. Vielleicht erleben wir etwas ähnliches, wie im Frühling, als sich die Menschen mit Blumen und Pflanzen vom Floristen eindeckten, weil alles andere im Leben so grau wirkte.

Anstatt die Wirtschaft systematisch künstlich zu zerstören und zum Boykott aufzurufen, sollte die Regierung Lösungen finden, um die Macht der Konzerne auf ein faires Maß zu begrenzen, die Arbeitsbedingungen für alle Arbeitnehmer auf ein gutes Niveau zu bringen und Arbeitsplätze zu sichern.


Maren Zaidan
Bundesvorsitzende der Partei DIE FÖDERALEN

Quellen:
[1] https://www.welt.de/wissenschaft/article222534920/RKI-Chef-Wieler-ueber-Corona-Lage-ist-so-ernst-wie-sie-es-noch-nie-war.html
[2] https://www.welt.de/politik/deutschland/article222524978/Armin-Laschet-ruft-dazu-auf-keine-Weihnachtsgeschenke-online-zu-kaufen.html