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Nirgendwo mehr sicher

Wie Social Distancing und

Maren Zaidan, 10. Dezember 2020 15:30 Uhr

Kollateralschäden bei Schülern und jungen Erwachsenen

Seit Anfang des Jahres wird regelrecht probagiert, dass wir alle möglichst zu Hause bleiben sollen. Es gibt ein neues Wort dafür – Social Distancing. Beworben wird die trendige Verhaltensauffälligkeit mit einer Tasse heißem Kakao in den kalten Monaten und einem Gartenpool in den heißen Monaten. Zu jeder Zeit jedoch erzählen uns Anbieter aller Branchen, wie wir all unsere Befürfnisse auch online befriedigen können.

Die einfühlsamen im Land bekamen ab und zu Zweifel an den Auswirkungen der neuen Lebensweise für Alte und Kinder. Alle anderen haben sich zusammenzureißen und müssen da einfach durch. Nun zeigt eine Studie das auch die jungen Erwachsenen extrem unter der Situation leiden. Unter den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren sind in der USA 47 Prozent an einer mittelschweren Depression erkrankt. Das sind sechsmal so viele wie vor der Krise. Die demografischen Daten der Studienteilnehmer nahmen keinen Einfluss.

Die Gründe für die vielen neuen depressiven liegen in den Lebensumständen, die sich aus der Krise ergeben. Es sind dieselben Faktoren, die es auch in Deutschland und in allen Ländern mit ähnlichen Corona-Maßnahmen gibt – Soziale Isolation und Zukunftsängte.

Ein weiterer Faktor wird in einer anderen Studie gezeigt. Cyberbullying, also das Mobben über das Internet, nahm in den letzten drei Jahren zu und hat nochmal während der Krise richtig zuwachs bekommen. Es ist kein Wunder, wenn sich Schulkinder für reale Treffen auf einen Freund beschränken sollen und somit nicht nur einsam sind, sondern auch der Soziale Vergleich fehlt. Social Distancing und Cyberbullying sind eine tückische Kombination. Die Jugendlichen verbringen mehr Zeit online und zuhause, werden online gemobbt und aus diesem Form des Mobbings gibt es leider nur schwer ein entkommen. Das eigene Zuhause bietet keinen Schutz mehr, den die Täter sitzen sozusagen im Jugendzimmer. Wegziehen bringt oft auch nichts, den oft schaffen es die Täter die Opfer weiter online zubegleiten. Nach draußen gehen – wird seit einigen Monaten als gefählich eingestuft und wenn es doch geht, wissen alle in der Peer Group bescheid, was im Bildschirm läuft. Das Leben selbst wird zur Flucht.

Was zeigen uns diese neuen Entwicklungen? Jede Altersklasse ist betroffen. Wir alle brauchen richtige Sozialkontakte und Menschen, denen wir an der Mimik ablesen können, ob sie nur ehrlich sind. Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird gern nachgesagt die ganze Zeit nur am Bildschirm verbringen zu wollen, doch wie die aktuelle Situation zeigt, auch sie brauchen ihre Freunde. Existenzängste sollten nicht unter den Tisch gekehrt werden. Wer in jungen Jahren nicht lernen kann mit seiner Umwelt angemessen zu agieren oder keine Chance auf eine ordentliche Bildung erhält oder keinen ersten Job findet, hat es mit hoher Wahrscheinlichkeit sein Leben lang etwas schwerer.

Sollten wir uns weiter einreden, dass man Social Distancing auch genießen kann oder dass einfach mal durch muss? Nein. Einen Tag lang genervt von der ganzen Welt zu sein und sich mit einer heißen Tasse Kaffee und hinterm Bildschirm zu verstecken, tut manchmal gut, aber am zweiten Tag vermisst man die ganzen nervigen Menschen um einen rum doch, zumindest manche von ihnen! Isolation hat immer zu Depression, einer übertriebenen Verehrung von Idolen geführt und damit einer falschen Gehorsamkeit und vielem mehr geführt. Isolation treibt in den Selbstmord. Entweder weil auch die Online-Kontakte nicht mehr reichen oder weil man allein zuhause sitzt und online kaputt gemacht wird.

Wir brauchen Politiker, die nicht nur einzelne Forschungszweige und -ergebnisse beachten. Es muss wieder das Gesamtbild gesehen werden – alle Wissenschaftszweige, alle Ergebnisse, alle Menschen. Es dann können wir die Maßnahmen abwegen. An Corona zu erkranken und eventuell daran zu sterben ist schlimm. Wegen einer Krise keine Zukunft mehr zu sehen, psychisch zu erkranken und eventuell die schlimmste aller Kosequenzen zu ziehen, ist genauso schlimm. Ein Land besteht aus Menschen und Menschen brauchen sich gegenseitig zum Leben.


Maren Zaidan
Bundesvorsitzende der Partei DIE FÖDERALEN

Quellen:
[1] Kristin Haug. Beschimpft, bedroht und genötigt – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. (02.12.2020). Spiegel. https://www.spiegel.de/panorama/bildung/cybermobbing-studie-registriert-steigende-zahlen-a-4d68bf2e-5508-4c42-9e00-924203649103-amp?__twitter_impression=true&s=09, letzter Zugriff: 10.12.2020.
[2] Andreas Robertz. Jung, amerikanisch, depressiv. (02.12.2020. Deutschlandfunk. https://www.deutschlandfunk.de/jugendliche-in-den-usa-jung-amerikanischdepressiv.886.de.html?dram:article_id=488470, letzter Zugriff: 10.12.2020.