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Bonus

Wie erkläre ich das?

Stefan Brackmann, 4. März 2021 10:30 Uhr

Heute fange ich einmal mit einem Bericht über meinen alten Arbeitgeber an, die Deutsche Bank. Im Handelsblatt Finance Briefing heute morgen stand folgendes:

Die Deutsche Bank erhöht die Bonuszahlungen

Nach ca. € 1.700.000.000,— im vergangen Jahr – in dieser Summe sind auch Halteprämien enthalten – steigt die Zahlung reiner Boni Finanzkreisen zufolge auf über € 1.800.000.000,—. Ich habe mich schon immer über diverse Bonuszahlungen gewundert. Da gab es im Hause der Deutschen Bank immer wieder die Nachricht, dass einzelne Investmentbanker höhere Gesamtzahlungen erhalten hätten als der Vorstand.

Das wurde immer begründet mit der Tatsache, dass der Mitarbeiter nur durch diese Zahlung gehalten werden könne. Viele Mitbewerber würden ihn evtl. inklusive seiner Kunden einkaufen. Hier sind wir wieder bei meinem beliebten Thema Menschenhandel, welches ich in Bezug auf Fußballspieler schon aufgegriffen hatte.

Was kann ein Mitarbeiter dafür, dass in seinem Marktsegment aktuell Bedarf besteht? Ist es nicht seine Aufgabe, diesen Bedarf zu erkennen und mit den vorhandenen Möglichkeiten abzudecken? Ein Marktumfeld ändert sich (oder wird das von den Banken sogar selbst herbeigeführt?), dann kommen andere Bereiche in den Genuss, mitspielen zu dürfen.

Aber ist das der Grund für solch hohe Bonunszahlungen? Wie erkläre ich das den Mitarbeitern vor Ort? Die, die täglich mit ihren Kunden und den aktuell schwierigen Bedingungen des Marktes eine gewaltige Leistung abliefern. Und trotzdem ängstlich auf die nächste Aufsichtsratssitzung schauen, welche Filialen in Zukunft wieder abgebaut werden sollen. Die Mitarbeiter, die man in der Öffentlichkeit sieht und die den Unmut über das große Geschäftsgebaren ihres Arbeitgebers täglich abbekommen.

Sie profitieren in der Regel nicht von solchen Auswüchsen wie oben beschrieben.

Zudem werden die Banken von den aktuellen Ereignissen bald eingeholt. Durch die völlig überzogenen und unverhältnismäßigen Maßnahmen der Regierung stehen viele kleine Unternehmen vor dem Aus. Das Insolvenzrecht ist aktuell ausgehebelt, eine Verschleppung von Insolvenzen ist klar erkennbar.

Wenn aber der Gastronom um die Ecke, der kleine Laden für Produkte außerhalb des täglichen Lebens oder der Künstler seine Miete nicht mehr bezahlen kann, dann wird sich der Kreislauf des Niedergangs der Wirtschaft in voller Pracht zeigen. Und die Banken wird es mit ganzer Wucht treffen!

Wenn dann nicht ausreichend Vorsorge getroffen wurde (man könnte ja die Bonuszahlungen dafür verwenden!) wird wieder nach der starken Hand des Staates gerufen. Wir sind ja systemrelevant, so der Zauberspruch. Aber auch da wird mit zweierlei Maß gemessen. Steht doch in der gleichen Mitteilung des Handelsblattes, dass eine Bremer Bank, die Greensill Bank, von der Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) geschlossen wird. Und in der Mitteilung heißt es dann auch: Die Greensill Bank hat keine systemische Relevanz!

Keine Fragen mehr, Eurer Ehren!


Stefan Brackmann
Bundesvorsitzender
DIE FÖDERALEN

Quelle: Handelsblatt Finance Briefing vom 04.03.2021