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Zinsen

Was war das noch mal?

Stefan Brackmann, 26. Februar 2021 12:00 Uhr

Jetzt geht es ans Eingemachte! Wirtschaftliche Themen sind immer schwer zu vermitteln. Es erstaunt mich immer wieder, dass Schulabgänger noch nicht einmal ein nutzbares Basiswissen im Bereich Wirtschaft und Finanzen haben. Seit mehr als 30 Jahren weise ich immer wieder darauf hin, das Fach Wirtschaft oder Ökonomie zumindest so zu unterrichten, dass jeder seine erste Gehaltsabrechnung versteht. Doch die meisten wissen nicht, wie man eine Steuererklärung macht, welche Sozialabgaben zu bezahlen sind oder wozu diese dienen.

Wenn nun dieses Basiswissen nicht vorhanden ist, dann kann man auch nicht verstehen, in welch bizarrer Welt der Finanzen wir uns gerade befinden. In den letzten beiden Tagen wurden folgende Nachrichten vom Handelsblatt verbreitet:

  1. Sparkasse kündigt 26 Kunden wegen zu hoher Einlagen.
  2. Commerzbank will mehr Negativzinsen an Firmen weitergeben.

Denken sie einfach einmal über beide Situationen nach.

Die Düsseldorfer Sparkasse trennt sich von vermögenden Kunden? Waren diese sonst nicht immer Ziel des wirtschaftlichen Handelns eines solchen Instituts? Hier hatten einige Kunden der Möglichkeit, Minus-Zinsen berechnen zu dürfen, widersprochen. Und können sich nun eine neue Bank suchen.

Ähnlich gelagert die Situation der Commerzbank, hier betrifft es jedoch die Firmenkunden. Was im Endeffekt die gleiche Klientel darstellt. Hier ist es die Firma selbst, bei der Sparkasse der Privatkunde.

Doch warum gibt es negative Zinsen? Schaut man in Wikipedia nach, so erfährt man, dass der Begriff der Negativzinsen in der Volkswirtschaftslehre bis zu den 1970er-Jahren nicht einmal in Erwähnung gezogen wurde. Die Schweiz hat 1972 einmal Negativzinsen erhoben, um umfangreiche Geldzuflüsse aus dem Ausland zu erschweren.

Doch generelle Zinsen mit einem Minus-Zeichen davor sind nicht nur ungewöhnlich, sondern zeigen mir auf, dass etwas völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Seit der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 sind die Zinsen fast weltweit rückläufig. Soll doch ein niedriger Zins die Wirtschaft ankurbeln und so diese zumindest stabilisieren. Dieses ist nicht gelungen! Die verfehlte Wirtschaftspolitik weltweit, die nur auf Wachstum ausgerichtet war, ist an ihren Grenzen angelangt.

Ein Bereinigungsprozess, der 2008 begonnen hat, wurde mit viel Geld, niedrigen Zinsen und aktuell noch mehr Geld unnötig in die Länge gezogen und führt zu einem Sterben auf Raten. Wirtschaftspolitische Weitsicht und Ehrlichkeit sehen in meinen Augen anders aus. Man muss der Wahrheit ins Auge sehen können, um gemeinsam eine Veränderung zu schaffen. Ein offener Diskurs und die Einbindung Aller hätte einen gewaltigen Prozess hervorrufen können.

Dies ist jedoch aufgrund der unterdurchschnittlichen wirtschaftlichen Allgemeinbildung und der aktuellen Ablenkungsstrategien verhindert worden. Noch nicht einmal die Beantragung von Insolvenzen sind aktuell gewünscht, ist doch mal wieder Wahljahr. Und da möchte man den eigenen Wählern doch nicht die ganze erschreckende Wahrheit zumuten.

Das Erwachen wird dadurch umso schmerzlicher.


Stefan Brackmann
Bundesvorsitzender
DIE FÖDERALEN

Quellen:
Handelsblatt
Wikipedia