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Brote

... oder Spiele?

Stefan Brackmann, 5. Februar 2021 14:00 Uhr

Heute werde ich mich bei einem Großteil der Bevölkerung in unserem Lande unbeliebt machen. Aber was sagt eine deutsche Redewendung: Wat mutt, dat mutt. Ich schreibe hier über Fußball! Was ist also in den letzten Tagen passiert, das mich zu diesem Schritt bewegt?

Zunächst einmal wurde vor kurzem ein Video geteilt, das einen Polizeieinsatz auf einem Spiel-/Bolzplatz zeigte. Einige Kinder wollten dort wohl Fußball spielen, was ihnen verwehrt wurde. Dies ist aus vielen Gründen in meinen Augen äußerst fragwürdig. Hier wird unseren Kindern eine weitere Möglichkeit genommen, sich unter ihresgleichen zu bewegen und sich an frischer Luft auszutoben.

Viele Kommentare sind zu diesem Vorfall geschrieben worden. Einer davon ist bei mir hängen geblieben: 22 Millionäre dürfen Fußball spielen aber unsere Kinder nicht! Dieser Aussage trifft es schon sehr gut. Doch warum diese Ungleichbehandlung? Kann es nicht sein, dass es sich hier um einen Teil der

Brot und Spiele-Politik in unserem Lande handelt? So kann ein Großteil unserer Bevölkerung am Wochenende sich dem Geschehen auf dem grünen Rasen widmen. In dieser Zeit werden sie daran gehindert, sich mit der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage in unserem Land auseinander zu setzen.

Zusätzlich haben die Fernsehanstalten die Möglichkeit, ihre einseitige Berichterstattung den Abgelenkten zukommen zu lassen.

Doch das war nur ein Punkt, der mich zu diesem Artikel treibt. Gestern verfolgte ich ein Gespräch beim Einkaufen. Dort unterhielten sich zwei Damen und schienen sehr aufgelöst zu sein. Ein Partner war wohl selbständig und kann aufgrund der aktuellen Einschränkungen sein Geschäft nicht betreiben und ist finanziell am Ende. Die Frau berichtete, dass sie am Wochenende sich bei den Kindern eingeladen haben, damit sie etwas zu essen bekommen!

Dies erinnert mich an das Marie Antoinette zugeschriebene Zitat: Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen! Vielen kleinen Unternehmen in Deutschland geht es ähnlich. Zugesagte Hilfen kommen nicht oder nicht zeitnah an, sind nicht unbürokratisch und müssen teilweise zurückgegeben werden, da sie gegen europäische Rechtsnormen verstoßen. Geht man so mit einem wichtigen Standbein unserer Gesellschaft, dem hoch gelobten Mittelstand um?

Diese Frage gipfelte dann gestern noch in der Pressenachricht, dass der VfB Stuttgart einen KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) Kredit in Höhe von € 25.000.000,— erhalten hat. Selbst im Kicker wird als Grund das Narrativ - die Pandemie bringe die Vereine in finanzielle Nöte – genannt. Ich kann immer nur wiederholen, nicht die Pandemie ist verantwortlich, sondern die verfehlten und nicht verhältnismäßigen Maßnahmen seitens der Gesetz- und Verordnungsgeber.

Ich würde mir wünschen, dass jeder Fußballbegeisterte vor dem Griff in die Chipstüte einmal diesen Artikel liest und zumindest für einen kurzen Zeitraum den Verstand bemüht.


Stefan Brackmann
Bundesvorsitzender
DIE FÖDERALEN

Quelle: Netzfund; Kicker