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Gönn`dir was

Rolex und Zeit

Stefan Brackmann, 21. Januar 2021 13:00 Uhr

Meistens gibt es für meine Texte einen Auslöser. Für diesen Text danke ich meinem alten Mitstreiter Dr. Ulrich Stephan, aktuell Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutsche Bank AG für diesen Impuls.

Worum geht es? Die Wertentwicklung von Luxusaktien wurde dokumentiert. Und die hat es in sich. Auf Basis des S&P (Standard & Poors) Global Luxury Index haben sich die Kurse der in diesem Index enthaltenen Werte seit dem Frühjahr 2020 verdoppelt! Wie ich schon in einem früheren Artikel schrieb (Summ summ), gibt es eine sogenannte Asset Inflation, sprich Kapital fließt in die Anlagemärkte (Aktien, Anleihen, Immobilien, Luxusgüter…).

Die Frage, die sich stellt, ist: Wo kommt das Geld her, das nicht nur in den Aktienmarkt, sondern auch für den Kauf von Luxusgütern eingesetzt wird. Mich beschleicht hier ein komischer Verdacht. Kann es sein, dass sich hier zwei Wege kreuzen?

Der erste ist die Versorgung der Wirtschaft mit enormen Summen seitens der Notenbanken. Diese Gelder werden angeblich zur Unterstützung der Wirtschaft in Zeiten der Corona-Maßnahmen eingesetzt.

Der zweite ist die Umverteilung von Kapital von Unten nach Oben, die sich in den letzten Jahren immer weiter beschleunigt hat.

Und hier schneiden sich die beiden Wege: Die versprochene Unterstützung der kleinen und mittleren Unternehmen, der besonders betroffenen Branchen kommt dort nicht oder nur verzögert an. Und wird sogar zum Teil wegen der nicht vorhandenen Rechtslage zurückgefordert. Während sich diese Unternehmen um ihre Existenz Sorgen machen, freuen sich die internationalen „Big Player“ über die sprudelnden Einnahmen. (Bestes Beispiel: Amazon!).

Da kann man sich dann die eine oder andere Kleinigkeit gönnen. Und wenn wir schon zu viel davon haben (Gibt es die Rolex nicht noch in anderen Farben? Schade, das es nur sieben Wochentage gibt, sonst würde ich für den achten Tag auch noch eine kaufen!) dann kaufen wir halt deren Aktien. Diese sind im Vergleich sogar deutlich höher bewertet als andere Unternehmen, das zeigt, dass in diesen Kreisen Geld aktuell überhaupt keine Rolle spielt.

Ist es nicht verwerflich, wenn einige Wenige sich im Luxus baden und weitere sich mit dem Luxus eine goldene Nase verdienen? Wo doch durch die weltweiten Maßnahmen angeblich bis zu 30 Millionen Todesopfer in den ärmeren Ländern zu verzeichnen gibt, da die Liefer- und Versorgungsketten nicht mehr funktionieren.

Jeder kann sich seinen eigenen kleinen Luxus gönnen, doch manches geht mir eindeutig zu weit. Solidarität und Menschenwürde sind Begriffe, die ihren Wert in der Gesellschaft haben. Komischerweise scheinen diese Begriffe mit dem erreichten Vermögen in reziproker Relation zu stehen. Ich durfte gerade selbst erfahren, was Solidarität bedeutet und danke Allen auch auf diesem Wege dafür.

Aber bevor Ihr darüber nachdenkt Euch eine weitere Luxusuhr zu kaufen, denkt vorher darüber nach, ob die Zeit dafür die richtige ist.


Stefan Brackmann
Bundesvorsitzender
DIE FÖDERALEN

Quelle: Perspektiven am Morgen, Deutsche Bank vom 20. Januar 2021