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Das große "I"

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Stefan Brackmann, 10. Januar 2021 12:00 Uhr

Das Fass zum Überlaufen, oder besser gesagt, den letzten Anstoß für diese Zeilen, ging von einem Gebet aus. Das Eröffnungsgebet zum 117. US-Kongress wurde beendet mit Amen and A-Women.

Da stockte mir für einige Zeit der Atem! Jetzt hat der Genderwahn soeben die letzte Bastion historischen Bodens erobert. Dachte ich… Und muss mich korrigieren. Nach kurzer Recherche geht das tatsächlich schon seit einigen Jahren um, das gendergerechte, oder besser sogar genderneutrale Virus in der christlichen Welt. Da sollte es doch tatsächlich im Jahr 2017 eine Neufassung der Bibel geben, in der es keinen Gott, keinen Adam und auch keine Eva mehr gibt. Alles wurde zu einem „neutralen“ Einheitsbrei zusammengekocht.

Im August 2017 nahm der Duden die gendergerechte Sprache in sein Werk auf. Das Binnen-I war offiziell zur Welt gekommen (LeserInnen). Auch die folgenden Formen sind dem Duden genehm: Leser_innen; Leser*innen; Leser:innen; Leser innen oder Leser.innen.

Die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover hat am 18. Januar 2019 eine neue Empfehlung für eine geschlechtergerechtere Verwaltungssprache herausgegeben. Allein der Text zu dieser Ankündigung lässt sich für mich nicht mehr flüssig lesen.

Dieser Text hier wird von meinem Textverarbeitungsprogramm mit vielen roten Unterstrichen markiert, die auf orthografische Fehler hindeuten. Nur das Gender*sternchen hat diesen Test bestanden.

In meinen Augen werden wir als Gesellschaft schon lange von den wahren Problemen abgelenkt. Durch Genderisierung oder sogar Neutralisierung wird uns das menschliche Handeln und Denken aberzogen und wir auf eine Ebene mit Maschinen gestellt.

Zu diesem Themenbereich zählen dann auch Gebiete wie Neo-Feminismus oder auch die sogenannte Quotenfrau. Über die Umschreibung weiterer historischer Schriftstücke, die einzelne Worte als nicht mehr tragfähig erkennen, könnte ich mich auch noch äußern.

Ich persönlich stehe dem Ganzen sehr kritisch gegenüber. Frauen in unserer Gesellschaft werden nicht wichtiger durch ein I oder eine Quote. Sie werden wichtiger durch einen respektvollen, menschlichen und liebevollen Umgang. Durch solche Scheingefechte wird das nur erschwert.

Da ich dieses hier aus meiner männlichen Sicht schreibe, wäre es gut auch eine Frau zu Wort kommen zu lassen. Ich wäre gespannt auf die Meinung von Joan Baez zu diesem Thema und gratuliere ihr zum heutigen 80. Geburtstag. Da dies heute kaum möglich erscheint, habe ich meine Vorstandskollegin Maren Zaidan gebeten, hierzu einen Kommentar aus Ihrer Sicht abzugeben.

Ich fühle mich weder durch die herkömmliche Sprache noch durch dir herkömmlichen Umgangsformen diskriminiert oder nicht angesprochen. Bei Geschichten, wie der genannten Neuschreibung der Bibel fehlt es mir leider an Fantasie. Ich lebe in einer Welt voller Extreme und habe mich mit allen Seiten auseinandergesetzt.

Die einen drehen die alten Rollenmodelle um und möchten trotzdem ihren Prinzessinnen-Status behalten. Die anderen entwickeln dadurch einen enormen Hass auf Frauen. Die dritte Gruppe versucht, die alten Umgangsformen beizubehalten und bekommt jedes Verhalten in eine der beiden anderen Ecken geschoben.

Ich wuchs in einer Welt auf, in der es im Grunde genommen nur darum ging, so viel wie möglich zu lernen und selbstständig zu sein. Als Erwachsene wurden mir dann die Handarbeitsfähigkeiten zum untertänig sein ausgelegt und die Fähigkeit meine Sachen selbst reparieren zu können als zu Männer schonend.

Ja, ich möchte ein selbstbestimmtes Leben führen, meine Meinung sagen und erreichen können, was auch immer ich möchte. Ich mag den Mix. Ich möchte keine Probleme beim Lesen eines Textes bekommen, weil alles mit Unterstrichen, Sternchen und Is geschrieben ist. Ich möchte nicht darüber diskutieren, nach welchem Weltbild ich wo sitze oder was bestimme. Ich stricke gern und bin trotzdem politisch aktiv.

Wir reden von Frauenförderung, aber all diese Diskussionen führen dazu, dass viele Frauen nicht mehr wissen, wie sie ihr Leben führen sollen, um dem neuen Bild zu entsprechen. Die Männer klagen darüber, dass alte Gesten immer falsch sind, wenn sie angewandt werden, sind sie sexistisch, wenn nicht sind die Männer keine Gentlemen. In der aktuellen Genderpolitik sehe ich einen künstlich geschaffenen Krieg, der uns die nächste Generation kostet – auf die ein oder andere Weise.


Stefan Brackmann
Bundesvorsitzender
DIE FÖDERALEN

Quellen: Fox News, Duden, kath.net, hannover.de