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Summ, Summ, hurra

Wenn Summen schon vom Zuhören schwindelig machen

Stefan Brackmann, 12. Dezember 2020 18:00 Uhr

M1 Geldmenge

Da erreichen mich doch schon seit langer Zeit immer wieder Nachrichten von

Unsummen, die irgendwo auftauchen. Die aber nie wieder zu verschwinden scheinen.

Ein Beispiel gefällig? In den täglichen News der Finanz und Wirtschaft (FuW, Schweiz) war eine Grafik zu sehen mit der Geldmengenentwicklung der USA. Als Text wurde behauptet, dass ca. 1/3 der amerikanischen Geldschöpfung in diesem Jahr stattgefunden hat!

Die entsprechende Grafik war schnell gefunden und nachgeprüft. Und tatsächlich, es stimmt. Die Zahlen sind erschreckend. Wenn man dann sein altes Wissen abruft, wird es interessant. Es wurde immer behauptet, dass die Geldmenge sich an die Entwicklung des Wirtschaftslebens orientiert. Und zur Steuerung die Notenbanken dann mit entsprechenden Maßnahmen reagiert, damit das einigermaßen passt. Zu viel Geld im Umlauf würde Inflation bedeuten, zu wenig kann deflationäre Tendenzen auslösen.

Ist nun aber die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1/3 gestiegen? Bei weitem nicht! Die Frage, die sich dann stellt, wo ist das Geld hin? Kann es nicht sein, dass diese Unsummen dazu gedient haben, die Aktien- und Kapitalmärkte künstlich hochzuhalten, also eine sogenannte Asset-Inflation stattgefunden hat und noch immer stattfindet? Von dem ganzen Geld kommt aber so gut wie nichts beim Verbraucher an. Also findet eine gewaltige Umverteilung der Vermögen statt.

Auch die EZB (Europäische Zentralbank) hat gestern wieder massiv an der Ausweitung ihrer Anleihenkaufprogramme gearbeitet. Weitere € 500.000.000.000, - werden bis März 2022 zur Verfügung gestellt. Dabei ist die Bilanzsumme der EZB bereits jetzt höher als die der amerikanischen Notenbank FED. Alles wird der aktuellen Situation geschuldet. Nun wurde aber diese starke Geldmengenausweitung bereits seit der Finanzmarktkrise 2008/2009 betrieben.

Meines Erachtens werden hier Unzulänglichkeiten und Verfehlungen in der Wirtschaftspolitik, der Finanzpolitik und der gesamten Steuerung unsers Landes verdeckt. Die meisten von uns bekommen davon nicht viel mit. Wir alle werden abgelenkt durch Maßnahmen, die das Wirtschaftsleben noch mehr treffen. Niedrigere (Steuer-)Einnahmen stehen gewaltigen Staatsausgaben entgegen. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Wir können nur hoffen, dass dieses gewaltige Spiel nicht im Chaos endet, denn bisher wurden solche unausgeglichenen Bilanzen immer wieder bereinigt, und das war in der Vergangenheit immer ein sehr schmerzvoller Vorgang.

Noch ein kleiner Nachtrag zum Lesen von Grafiken: Was mir aufgefallen ist, sind die kleinen Feinheiten, mit denen man visuell solche extremen Veränderungen künstlich herbeiführt oder sogar noch verschlimmert. Auch hier wurde in der Original-Grafik, die ich erhalten habe, die Y-Achse arithmetisch dargestellt. Bei einem auf Wachstum ausgelegten Wert wäre eine logarithmische Darstellung angebrachter.


Stefan Brackmann
Bundesvorsitzender
DIE FÖDERALEN

Quellen: https://fred.stlouisfed.org/series/M1