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Industrien

Wenn man an das Falsche denkt und glaubt

Stefan Brackmann, 22. November 2020 15:01 Uhr

In unserem Land an Industrie denkt, ist schnell bei Auto-, Elektro oder Chemische Industrie. Oder Industrie 4.0 unter Berücksichtigung der Digitalisierung der Produktion, besser bekannt unter IoT (Internet of Things).

Doch hier lege ich mein Augenmerk einmal auf zwei andere Industriebereiche, nämlich die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie.

Wer an Lebensmittel denkt wird sich vielleicht an Besuche auf einem Bauernhof erinnern oder einen Einkauf auf einem Wochenmarkt. Dort kann man überwiegend frische Waren einkaufen, meist noch in Bio-Qualität und zudem regional. Man erfreut sich an der Vielfalt, den natürlichen Farben und auch den guten Geschmack. Die Freude, täglich frisch zu kochen und beim Essen Gemeinschaft zu erleben ist für uns Menschen ein Genuss.

Unsere Kultur hat sich jedoch schon lange geändert. Geduld zu Kochen und Zeit für das Essen sind knapp bemessen, ist doch unsere schnelllebige Gesellschaft auch auf schnellen Konsum ausgerichtet. Convenience-Food ist so beliebt wie nie, viele (die meisten?) Waren im Supermarkt sind bereits essfertig und bedürfen keines weiteren Aufwandes. Diese „Nahrungsmittel“ können und dürfen auch Zusatzstoffe aufweisen.

Derzeit gibt es rund 320 Lebensmittelzusatzstoffe, die überwiegend nicht natürlichen Ursprungs sind. Diese werden in 24 Klassen und Effekte eingeteilt, wie z. B. Festigungsmittel, Füllstoffe, Säureregulatoren, Schaummittel und auch Schaumverhüter. Jeder einzelne Zusatzstoff soll unbedenklich sein. Jedoch gibt es keinerlei Hinweise auf z. B. Wechselwirkungen einzelner Stoffe und Subsummierung beim Genuss (?) mehrerer Produkte.

Dazu kommt noch die bisher in Deutschland vermiedene Lebensmittelampel, die für etwas mehr Klarheit bezüglich der Nährwerte eines Produktes sorgen sollte. Die Irreführung der vergangenen Jahrzehnte (siehe z. B. Dokumentation auf Arte: Die Zucker-Lüge) ist ein weiterer Beweis dafür, dass wir uns um unsere Ernährung und unser Wohlbefinden selbst kümmern müssen oder sogar sollten.

Wenn wir aber durch die Verlockungen der einen Industrie krank geworden sind, springt gerne die andere Industrie ein: Die Pharmaindustrie ist nicht weit weg. Sorgt sie doch für ein breites Spektrum an sogenannten Blockbustern. Das sind Medikamente mit einem Jahresumsatz von mehr als € 1.000.000.000, — (Ihr wisst, ich schreibe Zahlen gerne aus!) Diese kommen meistens aus dem Bereich Blutdruck- und Cholesterinsenker, Immunsuppresiva und auch Diabetesmittel. Medizinische Grenzwerte werden gerne in Abstimmung mit den Pharmariesen gesetzt, deren Lobby sehr einflussreich ist. Zudem spricht die Zahl von 16.000 Pharmavertretern in Deutschland für eine weiterhin florierende Zukunft.

Diese Zukunft könnte tatsächlich eintreten. Sollten wir nicht unseren Lebenswandel wieder an alte, natürliche und menschlichere Werte ausrichten, so arbeiten die beiden Industrien weiterhin Hand in Hand. Die Finanzindustrie wird das Freuen, gelten doch die Lebensmittel- und Pharmaindustrie schon lange in den Portfolios der großen Investmentmanager als wesentlicher Baustein und Garant für Wertentwicklung und Ertragsstabilität.

Selber frisch zu kochen trägt zur Entschleunigung unseres Alltages bei, gemeinsames Essen ist ein Kulturgut und die positiven Langzeiteffekte für unsere Gesundheit und unsere Gesellschaft können nicht hoch genug angesiedelt sein.

P.S.: Ich hätte doch zwei Beiträge hieraus schreiben sollen, musste ich doch viele Gedanken erst einmal beiseite schieben. Und: Nein, ich werde hier keine Rezepte veröffentlichen. Obwohl,…

</ br />Stefan Brackmann


Bundesvorsitzender
DIE FÖDERALEN

Quellen: https://fet-ev.eu/lebensmittelzusatzstoffe/