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Richtungswechsel

Wenn alles nur noch eine Richtung kennt

Stefan Brackmann, 24. August 2020 20:49 Uhr

Ich bin Bankkaufmann, das dürfte Viele hier nicht mehr überraschen. Dass ich einen Krankheitsminister nicht ernst nehmen kann, der meinen Berufszweig durch sein Verhalten so schlecht dastehen lässt, liegt auf der Hand. Dieses haben wir schon selbst geschafft. Das war für mich ein Grund, seinerzeit meine Tätigkeit kurz vor der Silberhochzeit mit der Deutschen Bank zu beenden.

Danach ist alles nur noch schlimmer geworden. Sehen wir uns einmal die aktuelle Situation an. Aktuell sind in Deutschland fast 10 Millionen Menschen arbeitslos oder in Kurzarbeit. Mehrere 100.000 Firmen sind insolvent oder stehen kurz davor. Sie werden nur noch künstlich über Wasser gehalten. Ein Insolvenzantrag ist aktuell nicht möglich, da diese Option teilweise bis zum 31. März 2021 ausgesetzt wurde.

In vielen Städten sind z.B. die Hälfte der Restaurants davon betroffen und werden in absehbarer Zukunft schließen. Das betrifft viele Branchen, insbesondere diejenigen mit einer höheren Kundenfrequenz. Unser Mittelstand in Deutschland leidet und geht daran fast zugrunde. Unsere Wirtschaftsleistung bricht so stark ein wie seit 100 Jahren nicht mehr. Doch wo bleiben all die Gelder, die neu geschöpft wurden.

Ein Blick auf den Aktienmarkt spricht Bände! Viele Indizes weltweit stehen auf oder nahe ihren Allzeithochs. Große Firmen profitieren am meisten. Hier fand und findet die größte Umverteilung von Vermögen statt seit ich denken kann. Wir kaufen nicht mehr beim Einzelhändler um die Ecke, sondern kaufen bestenfalls noch im Supermarkt. Aber immer mehr Geschäft fließt ab ins Internet. Und davon profitieren meistens Großkonzerne, die es durch geschickte Firmenkonstrukte schaffen, ihre Steuerlast so niedrig wie möglich zu halten.

Die Namen sind uns allen geläufig. Googeln (steht so im Duden!) hilft hier nicht nur, sondern ist selbst auf der Liste. Heißt an der Börse nur Alphabet. Weiter findet man beim intensiven Nachdenken. Bezeichnend hierbei ist z. B. dass es eine Firma wie Delivery Hero demnächst in den DAX-Index schaffen soll.

Wie können wir das stoppen? Was ist uns wichtig? Der kleine Laden um die Ecke, wo man sich trifft und austauschen kann, wo Leben stattfindet? Der für das Kind evtl. einen Praktikumsplatz bietet und wo die Wertschöpfung nicht nur im Lande bleibt, sondern sogar in der eigenen Straße?

Ist es nicht besser, ein gutes Kleidungsstück kaufen, bei dem man weiß, dass es nicht 25.000km und 8 Kinderhände hinter sich hat? Stattdessen kaufen wir Farben der Saison oder Dinge, die Jahre später im Kleiderschrank irgendwann wieder auftauchen. Wochenmärkte; Bauernhöfe fallen mir in dem Zusammenhang auch wieder ein.

Lasst Euch selbst etwas einfallen. Wenn jeder auch nur einen kleinen Schritt macht, wird unser Miteinander gestärkt, die Wertschöpfung bleibt im Land und wir kommen ein wenig weg vom Höher, schneller, weiter!


Stefan Brackmann
stellvertretender Bundesgeschäftsführer
DIE FÖDERALEN

Quelle: Duden, boerse.ard.de