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Hoffnung

Oder stirbt diese zuletzt

Stefan Brackmann, 24. Juli 2020 19:47 Uhr

Nein, die Pandemie ist noch nicht für beendet erklärt worden. Was nicht in der Agenda der Regierenden steht, darf auch nicht sein. Egal, wie die Wirklichkeit aussieht, egal wie die Bevölkerung und die Wirtschaft darunter zu leiden haben. Doch das ist jetzt nicht mein Thema.

Nein, es geht im ersten Teil um die neueste Statistik des IVW! Was zum Teufel, ist das denn schon wieder für eine Abkürzung? IVW steht für Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. Ein toller Name, bei so etwas denke ich immer sofort an die armen Mitarbeiter in der Telefonzentrale.

Diese IVW hat in den letzten Tagen auf 351 Seiten Ihre sogenannte Auflagenliste herausgebracht und zwar die für das zweite Quartal 2020. Und siehe da! Es tut sich was im deutschen Blätterwald. Da gibt es doch tatsächlich starke Rückgänge bei unseren alten Bekannten. Die Bild-Zeitung etwa verlor 17,4 % ihrer Auflage, das Handelsblatt liegt mit minus 10,3 % noch ganz gut, aber jetzt kommt es: Die WELT verlor 43 %! Woran liegt das? Nein es liegt nicht an meiner Abo-Kündigung (siehe Erleichterung vom 17. Juli 2020), die erst im August wirksam wird.

Hier kommen mehrere Faktoren zusammen. Viele Zeitungen werden stationär verkauft, insbesondere im Bahnhofsbuch- oder im Flughafenhandel. Während des Lockdowns wurden diese naturgemäß weniger besucht. Viele Zeitungen werden stark in Flugzeugen gelesen, auch dort gingen die Auflagen teilweise gegen Null (Handelsblatt: 9 Exemplare!). Vieles können wir also auch hier wieder unter der Überschrift Kollateralschäden zusammenfassen. Einige Verlage verweisen auch auf Sondereffekte wie Einstellung von Regionalauflagen und Änderungen der Vertriebslogistik.

Meine Hoffnung, dass viele Menschen der Einheitspresse müde sind und sich deswegen abwenden, gebe ich dennoch nicht auf. Die nächste Statistik kommt bestimmt.

Wenn es einen ersten Teil gibt, dann naturgemäß mindestens noch einen Zweiten. Diesmal ist es der Fall Wirecard, eines meiner ersten Zielobjekte hier (Der Fall Wirecard vom 2. Juli 2020). Hier überschlagen sich nun die Ereignisse. Neue Daten werden gefunden, Schuldige werden gesucht und verhaftet. Selbst bei der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) scheint man mittlerweile zu dem Ergebnis zu kommen, dass ein einzelner, wahrscheinlich noch nicht einmal ein ausgewiesener Kenner der Materie, solch ein komplexes Unternehmen nicht prüfen kann. Ich kann mich nur wiederholen, hier wurden Milliardensummen verbrannt, weil professionelle und kriminelle Energie mit Unfähigkeit und Untätigkeit auf der anderen Seite einhergingen.

Wo überall haben wir es noch mit Unfähigkeit oder Untätigkeit zu tun? Wann wird das aufgedeckt und was ist dann der richtige Weg? Nur wer jetzt schon weiterdenkt, der ist vorbereitet und ebnet diesen neuen Weg.


Stefan Brackmann
stellvertretender Bundesgeschäftsführer
DIE FÖDERALEN

Quelle: IVW