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Bilanzen sind nicht gleich Bilanzen

Warum die Bilanz des Staates nicht vergleichbar ist

Stefan Brackmann, 8. Juli 2020 12:57 Uhr

Heute geht es ans Eingemachte!

Wir müssen uns mit Bilanzen beschäftigen. Der Finanzwissenschaftler Professor Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg hat ein Update seiner Berechnungen durchgeführt. Es geht um die sogenannte implizite Staatsschuld. In der gestrigen Online-Ausgabe der WELT wurde dieses Thema aufgegriffen.

Einfach ausgedrückt, Bilanzen sind nicht nur intransparent, sondern auch irreführend. Da wurde uns doch in den letzten Jahren doch immer wieder gesagt, wie gut wir doch wirtschaften. Der Begriff der schwarzen Null steht hierbei im Raum.

Genauer betrachtet ist unsere Staatsbilanz jedoch eine Mogelpackung. Jedes Unternehmen muss im Zuge seiner Berichterstattung sogenannte Eventualverbindlichkeiten ausweisen und im Rechenschaftsbericht diese genauer dokumentieren. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Pensionszusagen, also ein Bereich der Altersvorsorge für die Mitarbeiter. Da findet man schnell das Beispiel ThyssenKrupp, deren Pensionsverpflichtungen ein neues Rekordhoch erreichen und diese nicht ausfinanziert sind. Diese übersteigen das Eigenkapital mittlerweile um ein Vielfaches.

Beim Bund jedoch ist es etwas anders. Da müssen Experten ran, wie Prof. Raffelhüschen. Er berechnet seit langem, wie es um unsere Staatsfinanzen bestellt ist. Mit einem Wort: ERSCHRECKEND!

Zählt man zu der sogenannten expliziten Staatsschuld von ca. 60 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) die durch die verordneten Corona-Maßnahmen hinzugekommenen hinzu, so landen wir jetzt bereits bei ca. 80 %, also ein Anstieg um ein Viertel! Jetzt aber kommt es: Zählt man die zukünftigen Forderungen aus Pensionen, Renten, medizinische Versorgung und Pflege hinzu, erhöht sich dieser Wert auf aktuell ca. 345 %. Also nur 17,3 % der tatsächlichen Verschuldung werden öffentlich dargestellt. Das würde für ein deutsches Unternehmen das Todesurteil bedeuten!

Die ganzen Auswirkungen der aktuellen Haushaltsmaßnahmen sind noch nicht absehbar, Negativszenarien sehen düster aus, aber jetzt schon kann man die Belastung, die auf unsere Kinder und Enkelkinder zukommt, erahnen. Hier errechnet man aktuell Zahlen – je nach Altersgruppe – von € 30.000,— bis fast € 40.000,— !

Wann werden wir endlich wach, wann erkennen wir diese eklatante Wette auf die Zukunft? Ein neues Wirtschafts- und Finanzkonzept muss erarbeitet werden. Ein Weiter so ist ein Verleugnen der Tatsachen und ein Verbrechen am Wohlstand unseres Landes!


Stefan Brackmann
stellvertretender Bundesgeschäftsführer
DIE FÖDERALEN

Quelle: Die WELT