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Mach es einfach – Nimm eine Münze!

Wie schwer sich Analysten mit der aktuellen Situation anfreunden können

Stefan Brackmann, 7. Juli 2020 20:24 Uhr

Alles ist möglich bei völliger Ahnungslosigkeit. So lautete die Überschrift eines Artikels in der FuW (Finanz und Wirtschaft – eine Schweizer Börsen- und Finanzzeitung) vom 1. Juli. Was ist passiert? Die Zeitung hat 341 Analysten befragt, wie sich der amerikanische Aktienmarkt in diesem Jahr noch entwickeln wird. Das Ergebnis war verblüffend: Wenn man das Ergebnis in 5 Bereiche aufteilt von mehr als 10 % positiv bis zu mehr als 10 % negativ, so ergab sich nicht irgendeine Kurve, wie man es vermutet. Nein, alle Bereiche waren nahezu identisch belegt mit nahezu jeweils 1/5 der Analysten.

Das ist nicht das einzige Beispiel. Täglich lese oder höre ich von Wirtschaftswissenschaftlern, dass es tatsächlich genauso viele Gründe gibt, die für eine Inflation als auch für eine Deflation sprechen!

Da stellen sich unweigerlich Fragen.

Was ist da passiert? Ich fürchte, die wissen es tatsächlich nicht! Kein Lehrbuch der Wirtschafts- oder Finanzlehre beinhaltet ein Szenario von nachhaltig negativen Zinsen. Gepaart mit einer Ausweitung der Geldmengen in astronomischer Größenordnung.

Wohin fließt nur all das Geld? Hier gibt es viele Ansätze, oder sollte ich besser schreiben: Vermutungen? Erstens führt die Ausweitung der Geldmengen zu einer Inflation der Vermögenswerte. Doch eine Inflation? Nein, denn sie verdeckt nur die wahren wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Politik. Theoretisch müssten z. B. die Aktienkurse viel tiefer stehen, geht man doch von Gewinnrückgängen von mehr als 30 % in diesem Jahr aus. Die Aktienmärkte jedoch befinden sich auf oder nahe ihren Höchstständen. Davon profitieren nur wenige. –> siehe auch Brackies Ecke vom 4. Juli (Innovativ war gestern)

Zweitens werden Unternehmen am Leben gehalten, die schon vor der Krise kein überlebensfähiges Geschäftsmodell mehr vorzuweisen hatten. Diese werden nun im Fachjargon Zombiefirmen genannt.

Wir werden in nicht allzu ferner Zukunft sehen, ob unser bisher betriebenes und nur auf Profit abgestimmtes Wirtschaftssystem eine Überlebenschance hat. Vieles deutet darauf hin, dass die Maxime: Immer höher, immer schneller, immer weiter an ihre Grenzen stößt.

Auf der Strecke bleibt der Mensch, die Gemeinschaft, das was unser Leben ausmacht. Ändern können wir das nur alle gemeinsam. Für eine lebens- und liebenswerte Zukunft!


Stefan Brackmann
stellvertretender Bundesgeschäftsführer
DIE FÖDERALEN

Quelle: FuW