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Innovativ war gestern

Deutschland verliert den Anschluss im internationalen Wettbewerb

Stefan Brackmann, 4. Juli 2020 18:35 Uhr

Die 50 innovativsten Unternehmen in 2020

Welche Unternehmen sind die innovativsten der Welt? Diese Frage wird jedes Jahr gestellt und von der Boston Consulting Group beantwortet. Das Ergebnis für das Jahr 2020 ist aus deutscher Sicht mehr als ernüchternd.

Das innovativste deutsche Unternehmen ist laut dieser Auswertung die Firma Siemens auf Platz 21. Vorbei die Zeiten, in denen deutsche Unternehmen noch eine führende Rolle im Wettlauf um neue Ideen und Produkte spielten.

Wo sind sie, unsere neuen Dichter und vor allem Denker? Was ist da in den vergangenen Jahren, besser Jahrzehnten schiefgelaufen?

Fangen wir beim Schulsystem an. Wenn laut Schulgesetz niemand zurückgelassen werden darf und in einigen Ländern ganze Schulformen (Hauptschulen) zu Gunsten von Gemeinschaftsschulen abgeschafft werden, kann nur ein konformer Einheitsbrei dabei herauskommen. Wenn überragende Schüler nicht gefördert werden, weil wir keine „Eliten“ mehr fördern oder haben wollen, ist das Ergebnis vorauszuahnen. Reformen mit den Namen „Pisa“ und „Bologna“ haben uns viel Zeit gekostet und die Ergebnisse werden nach wie vor zu Recht kritisch hinterfragt.

Als weiter Bremse ist unsere Bürokratie anzusehen. Das beste Beispiel wird immer gerne herangezogen: Apple wäre in Deutschland schon im Ansatz gescheitert, eine Garage kann kein sicherer Arbeitsplatz sein. Die Behörden hätten bestimmt einige Gefahren erkannt, um den Betrieb stillzulegen, bevor er überhaupt begonnen hätte. Und wenn nur der Verbandskasten fehlt!

Wenn man sich die Liste der innovativsten Unternehmen ansieht, dann sind es überwiegend Unternehmen aus dem IT-Bereich, die vorne liegen. Wir haben es bis heute nicht geschafft, auf Ministerebene dieses Thema zu bearbeiten. Es wird verstreut über alle Ministerien hinweg missachtet und eine Staatssekretärin im Bundeskanzleramt soll als Vorzeigefrau das lösen können. Als Ergebnis Ihrer Tätigkeit kann man bisher nur schreiben: „Sie bemühte sich redlich.“

Als letzten Punkt in dieser Liste das Thema Kapitalausstattung. Die Deutschen haben es bisher nicht begriffen, wie wichtig Innovationen sind und dass diese Geld kosten. Ein Bewusstsein für Risikokapital ist nicht vorhanden und die Aktienquote in der Vermögensbildung ist im internationalen Vergleich erschreckend niedrig.

Wer das erkennt und schnell und beherzt die entsprechenden Weichen stellt, kann das nicht in 2 bis 3 Jahren „heilen“. Die Grundlagen zu schaffen für einen Anschluss an den internationalen Wettbewerb sind aber notwendig und von entscheidender Bedeutung für die Zunkunftsfähigkeit unserer Volkswirtschaft.


Stefan Brackmann
stellvertretender Bundesgeschäftsführer
DIE FÖDERALEN

Quelle: Boston Consulting Group / FuW