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Der Traum der Studienzeit

oder der Uhrzeiger dreht immer wieder dieselbe Runde

Maren Zaidan, 16. Oktober 2021 11:00 Uhr

Studium und Wissen zu erlangen.

Es begann im Frühjahr 2020. Studieren wurde ins Homeoffice verlegt. Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen stellten ihre Lehre von Vorlesungen, Seminaren, Übungen und Praktikas vor Ort um auf ein “Fernstudium”. Hatte man an deutschen Ausbildungsstätten bis dahin eher Angst davor das wertvolle Wissen online zu stellen und Online-Unterricht war eher die Ausnahme, gab es nun fast keine andere Form der Lehre mehr. Studenten in höheren Semestern lernten die Vorteile der nervigen Präsenzveranstaltungen in den Ausbildungsstätten kennen (wahrscheinlich das erste mal in der Hochschulgeschichte!) und Erstsemester bekamen nie die Frage beantwortet, ob sie etwas mit ihren Kommilitonen gemeinsam haben.

Darüber sprechen konnte man nicht. Moralisch ist es falsch, traurig darüber zu sein, kein Studentenleben führen zu können, wenn doch die ganze Welt von einem Virus geplagt wird.

Der Traum hinter dem Studium besteht nicht nur darin etwas zu lernen und später einen guten Job zu bekommen. Mit einem Studium ist auch die Vorstellung verbunden, das erste mal für sehr lange Zeit weg endlich von den Eltern und dem ganzen nervigen alten Umfeld weg zu kommen, die erste Wohngemeinschaft oder die erste Wohnung mit dem Partner oder allein, die Freiheit nicht hinzugehen ohne sich zu entschuldigen. Freiheit. Parties. Ein leicht chaotisches Leben, welches auch noch gesellschaftlich akzeptiert und belächelt wird. Mit Kommilitonen darüber philosophieren, wie man die ganze Welt retten kann!

Das alles wurde mehr oder weniger genommen. Und selbst das Lernen war eingeschränkt. Die zu lauten Lerngruppen in der Unibibliothek gab es nicht mehr. Zu gefährlich. Auch wenn sie früher von jedem Uni-Mitarbeiter für jeden Studenten, egal ob herausragend gut oder schlecht, propagiert, beworben und teilweise künstlich geschaffen wurden.

Jetzt wird darüber berichtet, dass die heutigen Studenten professionelle Hilfe suchen. Die Parties sind nicht mehr zu laut, die Welt ist zu einsam geworden. Die Angst nicht gut genug zu sein, ist zu groß geworden. Zum Studieren gehört eben doch die Lerngruppe mit ein paar Kommilitonen, die zu Freuden werden, dem einem, der einem Hilft durch die Übungsblätter in der einen Veranstaltung zu kommen und der andere, dem man wiederum in einem anderen Fach hilft; die Witze in der WG, die vergessen lassen, dass man vielleicht gerade viel Kummer hat.

Seit dem aktuellen Semester gibt es nun wieder Anwesenheit in den Ausbildungsstätten. Man hat die gefährlichen Studenten aussortiert. Studieren mit 3G. Ein Teil der Studenten wühlt sich nun also durch die Belegungspläne und hofft darauf mit online stattfindenden Veranstaltung weiterstudieren zu können bis alles vorbei ist. Andere geben auf. Die, die mit 3G einverstanden sind, sind trotzdem unglücklich. Das verpasste lässt sich nicht nachholen. Es ist Schaden entstanden. Nun berichtet auch die Presse über all das. Doch ändern möchte keiner, der etwas zu sagen hat, wirklich etwas. Stattdessen fordert die Presse gleichzeitig schärfere Kontrollen und mehr Ausschluss.

Von ehemaligen DDR-Bürgern hört man oft, dass sie nicht studieren konnten, weil sie keine Parteimitgliedschaft hatten oder sich stark zum Christentum bekannten. Von noch früheren Zeiten kennt man ähnliche Gründe und die Frage des Geldes. Es war schön und machte viele Familien stolz, endlich auch Hochschul- und Fachhochschulabsolventen in der Familie haben zu können ohne sich zu verstellen. Diese Zeit scheint wieder vorbei zu sein. Das ist sehr schade.

Nun sehe ich eine Zukunft, in der wieder viele Eltern ihren Kindern berichten werden, dass sie gern studiert hätten und die Leistungen dazu hatten, aber es aus politischen Gründen einfach nicht konnten oder es psychisch nicht überstanden haben.

Ist das gut für die Innovation des Landes?


Maren Zaidan
Bundesvorsitzende
DIE FÖDERALEN