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Mittelpunkt

Oder doch besser Ausgangspunkt?

Stefan Brackmann, 11. August 2020 19:43 Uhr

Da schaffe ich es doch tatsächlich einmal wieder, mich durch zahlreiche Nachrichten zu wühlen. Und bleibe bei einer Aussage hängen:

Für uns kann es nicht America first heißen. Wir sollten einmal über Germany first nachdenken.

Da fange ich an zu schmunzeln und weiß genau, worüber und was ich heute zu schreiben habe.

Fangen wir einmal mittendrin (oh, wie passend) an. Der Schreiber/ die Schreiberin stellt sich selbst ein Bein! Warum? Nun, wenn ich die Aussage ernst meine, muss ich sie wie folgt ändern: Deutschland zuerst. Wir sind es mittlerweile gewohnt, Anglizismen wie selbstverständlich zu benutzen, selbst da, wo es keinerlei Probleme gibt, einen deutschen Ausdruck zu verwenden. Erst recht hier, wo ja mit dem Text auch eine wichtige Aussage vermittelt werden sollte.

Kommen wir zum nächsten Punkt: Hier soll etwas in den Mittelpunkt gerückt werden. Was ist das, was meinen wir damit, wenn solch eine Aussage getroffen wird: Deutschland zuerst oder Deutschland ist (Export-) Weltmeister! Wer ist dieses Deutschland, das hier beschrieben wird? Sind es nur die Fußballfans oder die, die gerne auf einer Welle an Wohlbefinden mitschwimmen möchten? Sind es die, die am Export-Erfolg mitgewirkt haben? Sind es alle Menschen, die in Deutschland wohnen? Oder alle, die einen deutschen Pass besitzen?

In meinen Augen kann und muss man immer erst bei dem kleinsten Element anfangen. Denn darauf basiert unsere Natur. Und das ist, wenn ich gesellschaftlich argumentiere, der Mensch. Der einzelne Mensch muss im Mittelpunkt aller Bestrebungen stehen! Jeder muss in die Lage versetzt werden, eigene Entscheidungen zu treffen. Das fängt bei der Bildungspolitik an, vielleicht sogar schon früher. Die Erziehung zu selbständigen und selbstdenkenden Individuen ist in der Vergangenheit überwiegend fehlgeschlagen.

Wenn jeder Einzelne von uns in der Lage ist, selbst Entscheidungen zu treffen, wird die Macht über uns immer kleiner. Nur wer nicht weiß, was er will, was er kann oder wie etwas funktioniert, benötigt Hilfe von außen. Je mehr wir auf diese Hilfe angewiesen sind, umso mehr machen wir uns abhängig. Abhängig von Politik, Wirtschaft, Lobbyverbänden und mehr.

Lassen wir nicht zu, dass uns unsere Entscheidungen abgenommen werden. Übernehmen wir wieder mehr Verantwortung! Subsidiarität ist das Mittel, um wieder freier und unabhängiger zu werden.

Dann kann es nicht mehr zu folgendem Satz kommen:

Der Mensch steht im Mittelpunkt unseres Interesses – und steht uns damit im Weg!

Stefan Brackmann
stellvertretender Bundesgeschäftsführer
DIE FÖDERALEN

Quelle: Netzfund