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Sie geht wieder los – die Schule

Mecklenburg-Vorpommern startet am 03. August als erstes ins neue Schuljahr

Maren Zaidan, 2. August 2020 06:15 Uhr

Schulbildung mit Lücken

Am Montag, den 03. August startet Mecklenburg-Vorpommern in das neue Schuljahr. Im Moment wird verkündet, dass vieles normaler wird als im letzten Schuljahr. Diese Normalität wird mit den niedrigen Corona-Infektionszahlen begründet. Gleichzeitig liest man täglich von wieder steigenden Zahlen. Es stellt sich also die Frage, wie lange das bisschen gewonnene Normalität für die Schüler und Lehrer zu halten ist.

Und was heißt Normalität? Im letzten Schuljahr ging viel Zeit mit Heimunterricht oder in den schlimmen und meiner Meinung nach fahrlässigen Fällen mit Unterrichtsausfall verloren. Von einer Berücksichtigung dieses besonderen Schuljahres wurde nur bei den Abschlussjahrgängen oder den Jahrgängen bei denen ein Schulwechsel ansteht gesprochen. Was wird jedoch aus den Schülern, die diesen Sommer keinen Abschluss gemacht haben, aber trotzdem in der Endphase ihrer Schulausbildung stecken? Wird nächstes Frühjahr noch Rücksicht genommen, wenn der nächste Abschlussjahrgang geprüft wird? Wie lange werden Ausbildungsstätten und Arbeitgeber erinnern wollen unter welchen Umständen das Schuljahr 2019/2020 gelaufen ist? Ich rechne leider mit dem typischen Schulphänomen. Eine Woche erinnert sich jeder daran, dass jemand zur Zeit Probleme hat, danach sind selbst die größten und langwierigsten Probleme vergessen.

Um die Normalität zu schützen sollen ständige Antikörper-Tests mit den Schülern durchgeführt werden. An dieser Stelle kommt mir persönlich wieder der Begriff

neue Normalität in den Sinn. Bisher verband man Schule und Arzt höchstens mit sehr seltenen Untersuchungen in der Schule oder Notfällen. Wenn man dann weiterschaut, was Normalität an Schulen nun heißt, merkt man auch an anderen Stellen, dass es nicht die alte Normalität ist. Statt sich über Schulschwänzer aufzuregen, gibt es nun Mindestanwesenheitsstunden und digitalen Unterricht, der nicht nur eine Aufgabenzuordnung sein soll.

Mecklenburg-Vorpommern möchte die ersten zwei Wochen nutzen, um Vergleichtests durchzuführen. Wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere, denke zu dazu, dass damit nur Angst ausgelöst wird. Statt den Schülern bei neuen Lehrern die Chance zu geben das Image aufzubessern und dieses Jahr mehr für das ungeliebteste Fach zu tun, startet man mit Tests. Ob schlechte Leistungen in den Tests in Realtität der Situation oder den Schülern zugeschrieben werden, waage ich bei unserem heutigen Schulsystem auch noch zu zweifeln.

Und was ist mit den ABC-Schützen? Ende letzten Jahres habe ich gelesen, dass die großen festlichen Schulanfangsfeiern, die man aus manchen Regionen kennt ausgeweitet werden sollen, da sie für die Kinder und ihre Angehörigen lebenslange Erinnerungen bleiben. Dann kam Corona und es wurde mitgeteil, dass diese großen Feiern eingeschränkt werden sollen, auch da, wo sie immer Tradition waren.

Die alten Probleme unseres Schulsystems lösen wir gerade nicht, sondern verstärken sie. Seit Jahren werden etliche Unterrichtsausfälle beklagt. Durch die jetztige Situation, wird nun angekündigt, dass in Zukunft mehr Lehrer ausfallen werden und es regional zum Schutz vor Corona weiter zu Schulausfällen kommen wird.

Das Hauptproblem ist immer noch die verlorene Zeit. Kein Intensivlernen und keine Normalität kann den heutigen Schülern den verpassten oder schlecht vermittelten Stoff des letzten Schuljahres genauso vermitteln, wie es normalerweise geschehen wäre. Nicht jeder Schüler ist hochbegabt und hätte sich während der Stunden gelangweilt. Von vielen Schülern und Eltern hörte man auch von schlechteren Noten im letzten Zeugnis. Auch wenn anderes versprochen wurde. Was die Verwaltung plant und der einzelne Lehrer macht, ist leider ein Unterschied. Den sozialen Faktor der Schule

kann den Schülern erst recht niemand wiedergeben. Ganz individuell, aber sehr prägend an der Schule sind oft eben doch die Schulausflüge, Pausen und die Stunden mit den Freunden nach dem Unterricht. In den letzten Monaten ist all das für viele nur eingeschränkt möglich gewesen.


Maren Zaidan
Bundesvorsitzende der Partei DIE FÖDERALEN
Essen, den 02.08.2020